Eine KI-Plattform für Unternehmen soll drei Dinge leisten: Mitarbeiter sollen mit KI arbeiten können, Firmendaten sollen dabei unter Kontrolle bleiben, und die Kosten sollen planbar sein. Wer sich den Markt ansieht, findet allerdings sehr unterschiedliche Werkzeuge unter demselben Begriff: quelloffene Chatoberflächen wie Open WebUI und LibreChat, Wissenssuchen wie Onyx, fertige SaaS-Portale wie innoGPT und Plattformen für digitale Mitarbeiter wie NexGen AI. Dieser Überblick ordnet die Werkzeuge ein und zeigt, welches für welche Aufgabe gedacht ist.
Zur Einordnung: Biteno betreibt selbst zwei dieser Plattformen – die Web-KI auf Basis von Open WebUI und NexGen AI für digitale Mitarbeiter. Die anderen Werkzeuge kennen wir aus Tests und Kundengesprächen.
Vier Arten von KI-Plattformen
Bevor Sie Produkte vergleichen, lohnt ein Blick auf die Frage, welches Problem Sie lösen wollen. Die Werkzeuge lassen sich grob in vier Gruppen einteilen:
| Art | Löst vor allem | Beispiele |
|---|---|---|
| Chatoberfläche zum Selbstbetrieb | Ein offizielles ChatGPT für alle, mit eigener Modellauswahl und Datenkontrolle | Open WebUI, LibreChat |
| Wissenssuche | Antworten aus verstreutem Firmenwissen in Laufwerken, Wikis und Chats | Onyx (früher Danswer) |
| SaaS-Portal | KI sofort einführen, ohne eigenen Betrieb | innoGPT, Langdock |
| Plattform für digitale Mitarbeiter | KI erledigt selbstständig Aufgaben in Ihren Fachsystemen, unter Aufsicht | NexGen AI |
Die Grenzen verschwimmen: Auch Chatoberflächen bekommen Werkzeuge und Assistenten, auch Wissenssuchen bieten einen Chat. Der Schwerpunkt bleibt aber erkennbar – und er entscheidet, wie gut ein Werkzeug zu Ihrer Aufgabe passt.
Open WebUI: die vielseitige Chatoberfläche
Open WebUI ist eine der meistgenutzten quelloffenen KI-Oberflächen. Ursprünglich für lokale Modelle über Ollama gebaut, bindet sie heute Cloud- und lokale Modelle gleichberechtigt an. Rollen, Gruppen, Modellfreigaben, SSO und Dokumentensuche sind laut Projektdokumentation in der freien Version enthalten.
- Stärken: lokale Modelle für sensible Daten, Verwaltung in der Oberfläche, eingebaute Dokumentensuche, sehr aktive Entwicklung.
- Schwächen: Seit Version 0.6.6 muss bei mehr als 50 Benutzern das Open-WebUI-Branding sichtbar bleiben. Kostenkontrolle je Benutzer braucht einen zusätzlichen Proxy.
- Geeignet für: Unternehmen, die eine offizielle KI-Oberfläche für alle Mitarbeiter mit Datenkontrolle wollen.
LibreChat: die Oberfläche für viele Cloud-Anbieter
LibreChat verbindet nativ viele Cloud-Anbieter wie OpenAI, Anthropic, Google, Azure und AWS Bedrock. Seit November 2025 gehört das Projekt zum Datenbankhersteller ClickHouse und steht weiter unter der MIT-Lizenz. Fachabteilungen können ohne Programmierung eigene Assistenten mit freigegebenen Werkzeugen bauen.
- Stärken: MIT-Lizenz ohne Branding-Pflicht, viele Cloud-Anbieter, Agenten-Baukasten mit internem Marktplatz.
- Schwächen: mehr Dienste im Betrieb (MongoDB, Meilisearch, RAG-Dienst), Konfiguration überwiegend in Dateien, lokale Modelle nicht im Fokus.
- Geeignet für: Unternehmen mit Cloud-Schwerpunkt, die ein Portal im eigenen Design wollen.
Den ausführlichen Vergleich der beiden finden Sie in LibreChat vs Open WebUI.
Onyx: die Wissenssuche
Onyx, früher unter dem Namen Danswer bekannt, setzt an einer anderen Stelle an. Es geht weniger um ein Chatfenster für alle Modelle als um die Frage: Wo steht das eigentlich? Onyx verbindet sich mit über 40 Quellen wie Laufwerken, Wikis, Ticketsystemen und Chat-Werkzeugen, hält deren Inhalte aktuell und beantwortet Fragen mit Quellenangabe.
- Stärken: viele fertige Anbindungen an Firmenquellen, automatischer Abgleich, Suche mit Quellenangabe.
- Schwächen: Die Community-Edition steht unter MIT-Lizenz, wichtige Unternehmensfunktionen wie SSO und die Übernahme der Berechtigungen aus den Quellsystemen gehören aber zur kostenpflichtigen Enterprise-Edition. Ohne diese Berechtigungsübernahme sieht jeder Nutzer potenziell alles, was indiziert wurde.
- Geeignet für: Unternehmen, deren größtes Problem verstreutes Wissen ist, nicht der Zugang zu KI.
Onyx und Open WebUI schließen sich nicht aus. Selbst die Dokumentation von Open WebUI hält fest, dass beide unterschiedliche Probleme lösen und sich ergänzen können.
innoGPT und andere SaaS-Portale
innoGPT ist ein deutsches SaaS-Portal mit vielen Modellen in einer Oberfläche, Hosting in Deutschland und Lizenzen je Nutzer. Laut Preisseite des Anbieters (Stand November 2026) kostet der Business-Tarif rund 25 € je Nutzer und Monat. Eine eigene Lizenz für Berufsgeheimnisträger nach § 203 StGB ist im Angebot, Self-Hosting erst ab 1.000 Nutzern. In derselben Gruppe bewegt sich unter anderem Langdock.
- Stärken: sofort startklar, kein Betriebsaufwand, planbarer Preis je Kopf.
- Schwächen: Lizenz je Kopf auch für Gelegenheitsnutzer, kein eigenes Rechenzentrum im Standardtarif, Abhängigkeit vom Anbieter.
- Geeignet für: Unternehmen ohne eigene IT, die schnell starten wollen.
Mehr dazu im Beitrag innoGPT vs Open WebUI.
NexGen AI: die Plattform für digitale Mitarbeiter
Die bisher genannten Werkzeuge haben eines gemeinsam: Ein Mensch stellt eine Frage, die KI antwortet. NexGen AI geht einen Schritt weiter. Hier arbeiten digitale Mitarbeiter, die Aufgaben selbstständig in Ihren Fachsystemen erledigen: Kundenanfragen vorsortieren und Antworten vorbereiten, Werbekampagnen auswerten, Blogbeiträge anlegen, Serviceanfragen zusammenfassen.
Damit das sicher funktioniert, braucht es mehr als ein Chatfenster:
- Zentrale Steuerung: Jeder digitale Mitarbeiter bekommt genau die Werkzeuge und Rechte, die er für seine Aufgabe braucht, nicht mehr.
- Budgets je Nutzer und je digitalem Mitarbeiter: Kosten bleiben planbar, auch wenn KI selbstständig arbeitet.
- Anbindungen an Fachsysteme: etwa ERP und CRM, Ticketsystem, WordPress, Google Ads, Webanalyse, Wiki oder Dateiablagen.
- Freigaben: Kritische Schritte wie das Versenden einer Mail oder das Ändern eines Budgets landen zur Freigabe beim Menschen.
- Gedächtnis: Digitale Mitarbeiter merken sich Entscheidungen und Zusammenhänge über einzelne Gespräche hinaus.
- Betrieb nach Wahl: im Biteno-Rechenzentrum in Deutschland oder in Ihrem eigenen, mit lokalen Modellen für vertrauliche Daten.
Wir setzen NexGen AI im eigenen Haus ein, unter anderem im Vertrieb, im Marketing und für die Auswertung von Werbekonten. Eine ehrliche Einschränkung: NexGen AI lohnt sich ab etwa fünf Nutzern und setzt voraus, dass Ihr Team schon Erfahrung mit KI gesammelt hat. Wer am Anfang steht, beginnt besser mit einer Chatoberfläche.
KI-Plattform für Unternehmen: Alle Werkzeuge im Vergleich
| Kriterium | Open WebUI | LibreChat | Onyx | innoGPT | NexGen AI |
|---|---|---|---|---|---|
| Schwerpunkt | Chat, lokale Modelle | Chat, Cloud-Anbieter | Wissenssuche | Chat als Dienst | digitale Mitarbeiter |
| Lizenz | BSD-3 mit Branding-Klausel | MIT | MIT plus Enterprise-Edition | kommerziell | kommerziell |
| Eigenes Rechenzentrum | ja | ja | ja | ab 1.000 Nutzern | ja |
| Lokale Modelle | Kernfunktion | möglich | möglich | im Standardtarif nein | ja |
| Selbstständige Aufgaben | eingeschränkt | Assistenten mit Werkzeugen | eingeschränkt | eingeschränkt | Kernfunktion |
| Betriebsaufwand | mittel | mittel bis hoch | mittel bis hoch | keiner | keiner als Dienst |
| Typischer Einstieg | erste offizielle Firmen-KI | Cloud-Portal im eigenen Design | Wissen auffindbar machen | schneller Start ohne IT | nächste Stufe nach dem Chat |
Was kostet eine KI-Plattform?
Die Lizenzkosten sind nur ein Teil der Rechnung. Wer Angebote vergleicht, sollte vier Kostenblöcke getrennt betrachten:
- Software: Bei Open WebUI, LibreChat und der Community-Edition von Onyx kostet die Software nichts. SaaS-Portale und Plattformen für digitale Mitarbeiter berechnen Lizenzen, meist je Nutzer.
- Modelle: Jede Anfrage an ein Sprachmodell kostet Geld, entweder im Lizenzpreis versteckt oder als Verbrauch abgerechnet. Lokale Modelle haben keinen Preis je Anfrage, dafür Kosten für Rechenleistung mit Grafikprozessoren.
- Betrieb: Server, Datensicherung, Updates, Überwachung und Anbindungen. Beim Selbstbetrieb ist das der größte und am häufigsten unterschätzte Posten.
- Einführung: Schulung, Regeln für die Nutzung und gegebenenfalls eine Betriebsvereinbarung. Seit Februar 2025 verlangt Artikel 4 des EU AI Act außerdem, dass Mitarbeiter im Umgang mit KI ausreichend geschult sind.
Achten Sie bei Angeboten deshalb darauf, was im Preis enthalten ist und was nicht. Ein günstiger Preis je Kopf mit knappem Budget für leistungsstarke Modelle kann am Ende teurer sein als ein Verbrauchsmodell mit gemeinsamem Topf für das ganze Team.
So finden Sie die passende Plattform
Statt mit Produktnamen zu beginnen, beantworten Sie besser vier Fragen:
- Was ist Ihr größtes Problem? Mitarbeiter nutzen private KI-Konten, dann brauchen Sie eine Chatoberfläche. Niemand findet etwas, dann eine Wissenssuche. Wiederkehrende Aufgaben fressen Zeit, dann digitale Mitarbeiter.
- Wie sensibel sind Ihre Daten? Müssen Personalakten, Verträge oder Konstruktionsdaten das Haus nicht verlassen, brauchen Sie lokale Modelle und einen Betrieb in Deutschland oder im eigenen Rechenzentrum.
- Wer betreibt die Plattform? Ohne eigene IT kommen nur ein SaaS-Portal oder ein verwalteter Dienst in Frage.
- Wie nutzt Ihr Team KI? Bei ungleicher Nutzung sind Verbrauchsmodelle mit gemeinsamem Budget meist günstiger als Lizenzen je Kopf.
In der Praxis führt der Weg oft in zwei Stufen: zuerst eine offizielle Chatoberfläche für alle, damit Erfahrung entsteht und die Schatten-KI verschwindet. Danach digitale Mitarbeiter für die Aufgaben, bei denen sich Automatisierung wirklich lohnt. Wie Sie dabei Regeln und Verantwortung festlegen, beschreibt unser Beitrag zur KI-Governance im Unternehmen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer KI-Oberfläche und einer KI-Plattform?
Eine KI-Oberfläche ist das Chatfenster, in dem Mitarbeiter mit Modellen arbeiten. Eine KI-Plattform umfasst zusätzlich Verwaltung, Rechte, Budgets, Anbindungen an Fachsysteme und Protokolle. Die Begriffe werden im Markt oft vermischt.
Brauche ich als Mittelständler eine eigene KI-Plattform?
Wenn Ihre Mitarbeiter bereits KI nutzen, und das tun sie fast überall, brauchen Sie zumindest einen offiziellen Weg dafür. Ob Sie ihn mieten oder betreiben lassen, hängt von Datenschutz, Budget und Ihrer IT ab.
Was bedeutet MCP?
MCP steht für Model Context Protocol, einen offenen Standard, über den KI-Modelle auf Werkzeuge und Fachsysteme zugreifen. Open WebUI, LibreChat und NexGen AI unterstützen MCP. Entscheidend ist, wer festlegt, welche Werkzeuge mit welchen Rechten verfügbar sind.
Kann ich mehrere Plattformen kombinieren?
Ja, das ist sogar häufig sinnvoll: eine Chatoberfläche für alle, eine Wissenssuche für verstreute Dokumente, digitale Mitarbeiter für ausgewählte Abläufe. Wichtig ist eine gemeinsame Anmeldung und eine einheitliche Kostenkontrolle.
Weiterlesen: Sie nutzen bereits einen SaaS-Arbeitsplatz wie Langdock und prüfen einen Wechsel? Preise, Datenschutz und passende Optionen vergleicht unser Beitrag Langdock Alternative.
Quellen
- Open WebUI: openwebui.com und Lizenz
- LibreChat: librechat.ai
- Onyx: onyx.app und Einordnung durch Open WebUI
- innoGPT: innogpt.de
Fazit
Die beste KI-Plattform für Unternehmen gibt es nicht, wohl aber die passende für Ihre Aufgabe. Open WebUI und LibreChat bringen KI kontrolliert an jeden Arbeitsplatz, Onyx macht verstreutes Wissen auffindbar, innoGPT bietet einen schnellen Start ohne eigenen Betrieb, und NexGen AI lässt digitale Mitarbeiter selbstständig in Ihren Fachsystemen arbeiten. Wer mit der Frage nach dem eigentlichen Problem beginnt statt mit dem Produktnamen, trifft die bessere Entscheidung.
Sie wollen wissen, welche Plattform zu Ihrem Unternehmen passt?
Wir betreiben Web-KI und NexGen AI im eigenen Rechenzentrum in Deutschland und setzen beide täglich selbst ein.
In einem kurzen Gespräch klären wir, wo Sie stehen und welcher nächste Schritt sich lohnt.



