innoGPT gehört zu den bekanntesten deutschen Angeboten für KI im Unternehmen: ein fertiges Portal mit vielen Modellen, Hosting in Deutschland und einem Preis je Nutzer. Wer sich innoGPT ansieht, stößt früher oder später auf die Gegenfrage: Warum nicht eine eigene KI-Oberfläche wie Open WebUI betreiben, selbst oder als Dienst eines Systemhauses? Dieser Beitrag vergleicht beide Wege ehrlich – mit Preisen, Datenschutz, Funktionen und dem Aufwand, der jeweils dahintersteckt.
Offenlegung vorab: Biteno bietet mit Web-KI eine KI-Oberfläche auf Basis von Open WebUI an. Wir sind also nicht neutral. Wir nennen deshalb auch die Punkte, in denen innoGPT die bessere Wahl ist.
Zwei Wege zur Firmen-KI
Beide Angebote lösen dasselbe Problem: Mitarbeiter sollen mit KI arbeiten, ohne private ChatGPT-Konten und ohne Firmendaten in unbekannte Kanäle zu geben. Der Weg dahin ist grundverschieden.
- innoGPT ist eine fertige Software als Dienst (SaaS). Sie buchen Lizenzen, Ihre Mitarbeiter melden sich an, der Anbieter kümmert sich um Betrieb, Modelle und Updates.
- Open WebUI ist eine quelloffene Oberfläche, die Sie selbst betreiben – auf eigenen Servern, in einem deutschen Rechenzentrum oder als verwalteten Dienst über einen Partner. Welche Modelle angebunden werden und wo die Daten liegen, bestimmen Sie.
Die Entscheidung ist also weniger „Produkt A gegen Produkt B“ als „mieten oder selbst bestimmen“.
innoGPT im Überblick
innoGPT bündelt nach eigenen Angaben über 50 KI-Modelle in einer Oberfläche. Laut Preisseite des Anbieters (Stand November 2026) gibt es diese Geschäftstarife:
| Tarif | Preis laut Anbieter | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Business | rund 25 € je Nutzer und Monat, netto | bis 1.000 Nutzer, SSO/SAML als Zusatzoption |
| Business Max | rund 109 € je Nutzer und Monat, netto | mehr Spielraum bei Premium-Modellen für Vielnutzer |
| § 203-Lizenz | rund 25 € je Nutzer und Monat, netto | für Berufsgeheimnisträger, Hosting in Berlin |
| Enterprise | individuell | ab 1.000 Nutzern, auch Self-Hosting |
Standardnachrichten sind laut Anbieter in jedem Tarif unbegrenzt. Premium-Modelle laufen über ein monatliches Budget, das je nach Modell unterschiedlich stark belastet wird und sich nachkaufen lässt. Ein PII-Filter, der personenbezogene Daten erkennt, ist als Zusatz buchbar. innoGPT gibt an, nach ISO 27001 zertifiziert zu sein, und schließt mit jedem Kunden einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28 DSGVO. Zum Testen gibt es eine kostenlose Probephase.
Wo innoGPT stark ist
- Sofort startklar: Kein Server, kein Update, keine Wartung. Für Unternehmen ohne eigene IT ist das ein echtes Argument.
- Berufsgeheimnisträger: Die § 203-Lizenz richtet sich gezielt an Kanzleien, Steuerberater und Arztpraxen – ein Angebot, das man bei einer selbst betriebenen Lösung erst vertraglich nachbauen muss.
- Planbarer Preis je Kopf: Für kleine Teams mit gleichmäßiger Nutzung ist ein fester Betrag je Nutzer einfach zu kalkulieren.
Wo innoGPT an Grenzen stößt
- Lizenz je Kopf: Sie zahlen für jeden Mitarbeiter gleich viel, auch für den, der KI zweimal im Monat öffnet.
- Self-Hosting erst ab 1.000 Nutzern: Wer seine Daten im eigenen Rechenzentrum halten will, kommt als Mittelständler im Standardtarif nicht dahin.
- Abhängigkeit vom Anbieter: Welche Modelle verfügbar sind, wie Budgets gewichtet werden und wie sich die Preise entwickeln, entscheidet der Anbieter.
Open WebUI im Überblick
Open WebUI ist eine der meistgenutzten quelloffenen Oberflächen für Sprachmodelle. Sie ist ursprünglich für lokale Modelle über Ollama entstanden und bindet heute ebenso Cloud-Modelle von OpenAI, Anthropic, Google oder Mistral an. Die Software selbst kostet nichts. Kosten entstehen für Server, Modelle und Betrieb.
Wo Open WebUI stark ist
- Lokale Modelle: Sensible Daten wie Personalakten, Verträge oder Kalkulationen können ausschließlich mit Modellen im eigenen Rechenzentrum verarbeitet werden. Die Daten verlassen den Server nicht.
- Volle Kontrolle: Sie entscheiden, welche Modelle freigegeben sind, pauschal oder nach Gruppen und Rollen.
- Firmenwissen: Dokumente lassen sich direkt in der Oberfläche durchsuchen (Retrieval Augmented Generation).
- Kein Lizenzpreis je Kopf: Laut Projektdokumentation sind Rollen, Gruppen, SSO, LDAP und Audit-Protokoll in der freien Version enthalten, ohne Nutzerbegrenzung.
Wo Open WebUI an Grenzen stößt
- Betrieb: Jemand muss Server, Updates, Datensicherung und Modellanbindung verantworten. Open WebUI veröffentlicht sehr häufig neue Versionen, die vor dem Einspielen geprüft werden sollten.
- Branding: Seit Version 0.6.6 muss bei mehr als 50 Benutzern der Name „Open WebUI“ sichtbar bleiben, außer Sie erwerben eine Enterprise-Lizenz.
- Kostenkontrolle: Budgets je Benutzer bringt Open WebUI nicht selbst mit. Dafür braucht es einen Proxy wie LiteLLM.
innoGPT vs Open WebUI: Der direkte Vergleich
| Kriterium | innoGPT | Open WebUI (selbst oder als Dienst) |
|---|---|---|
| Bereitstellung | SaaS, sofort nutzbar | eigener Server oder verwalteter Dienst |
| Datenstandort | Rechenzentren des Anbieters in Deutschland | frei wählbar, auch eigenes Rechenzentrum |
| Lokale Modelle | im Standardtarif nicht vorgesehen | Kernfunktion |
| Preismodell | fester Preis je Nutzer, Premium-Budget | Infrastruktur plus tatsächlicher Verbrauch |
| Single Sign-on | Zusatzoption | in der freien Version enthalten |
| Betriebsaufwand | keiner | hoch bei Eigenbetrieb, keiner als Dienst |
| § 203 StGB | eigene Lizenz | abhängig vom Betreiber und Vertrag |
| Anpassbarkeit | im Rahmen des Produkts | Werkzeuge, Funktionen, MCP, eigene Erweiterungen |
Kosten: Kopf gegen Verbrauch
Der wichtigste Unterschied liegt im Preismodell. Bei innoGPT zahlen Sie einen festen Betrag je Nutzer. Bei einer selbst betriebenen Oberfläche zahlen Sie die Infrastruktur und den tatsächlichen Verbrauch der Modelle.
In fast jedem Unternehmen ist die Nutzung ungleich verteilt: Eine Handvoll Mitarbeiter nutzt KI täglich und intensiv, die Mehrheit gelegentlich. Bei Lizenzen je Kopf verfällt das Budget der Gelegenheitsnutzer. Bei einem Verbrauchsmodell mit gemeinsamem Topf steht es den Vielnutzern zur Verfügung.
Ein Rechenbeispiel mit unserem eigenen Angebot, damit Sie die Größenordnung einschätzen können. Web-KI Basis kostet 69 € im Monat für die ersten drei Benutzer und 15,90 € für jeden weiteren, jeweils zuzüglich MwSt.:
| Mitarbeiter | Lizenz je Kopf zu rund 25 € | Web-KI Basis |
|---|---|---|
| 10 | rund 250 € | 180,30 € |
| 25 | rund 625 € | 418,80 € |
| 50 | rund 1.250 € | 816,30 € |
Alle Beträge netto je Monat. Fremdpreis laut Preisseite des Anbieters, Stand November 2026. Die Leistungen sind nicht deckungsgleich: innoGPT bietet unbegrenzte Standardnachrichten, Web-KI ein Token-Guthaben je Benutzer im gemeinsamen Topf.
Der Vergleich ist bewusst vorsichtig formuliert, denn die Pakete sind nicht identisch. Wer viele Vielnutzer mit Premium-Modellen hat, muss bei beiden Wegen genauer rechnen. Entscheidend ist die Frage, wie gleichmäßig Ihr Team KI nutzt.
Datenschutz: Wo liegen Ihre Daten?
Beide Wege können DSGVO-konform betrieben werden. Der Unterschied liegt in der Frage, wer die Daten in der Hand hat. Bei innoGPT liegen Chats und Dokumente beim Anbieter in Deutschland, Anfragen an Cloud-Modelle gehen an deren Betreiber. Bei Open WebUI im eigenen Rechenzentrum können Sie festlegen, dass bestimmte Daten nur von lokalen Modellen verarbeitet werden und den Server nie verlassen.
Für die meisten Anwendungsfälle wie Texte, Übersetzungen oder Recherche ist der Unterschied gering. Für Personalakten, Verträge, Kalkulationen oder Konstruktionsdaten kann er den Ausschlag geben. Warum ein offizielles KI-Werkzeug in jedem Fall besser ist als private Konten, lesen Sie in unserem Beitrag zur Schatten-KI.
Fünf Fragen vor der Entscheidung
Bevor Sie sich festlegen, lohnt ein kurzer Blick auf die eigenen Rahmenbedingungen. Diese fünf Fragen klären in den meisten Fällen, welcher Weg passt:
- Wie viele Mitarbeiter nutzen KI tatsächlich regelmäßig? Zählen Sie nicht die Belegschaft, sondern die echten Vielnutzer. Je größer der Abstand zwischen beiden Zahlen, desto teurer werden Lizenzen je Kopf.
- Welche Daten sollen in die KI? Texte und Recherche sind unkritisch. Personaldaten, Verträge oder Konstruktionsdaten verlangen eine genauere Prüfung und oft lokale Modelle.
- Wer kümmert sich um den Betrieb? Ohne eigene IT und ohne Partner bleibt nur ein fertiger Dienst.
- Wie wichtig ist Unabhängigkeit? Bei einer quelloffenen Oberfläche können Sie Betreiber und Modelle wechseln, ohne Ihre Mitarbeiter umzugewöhnen.
- Gibt es einen Betriebsrat? Dann gehört die Einführung einer KI-Plattform in aller Regel in eine Betriebsvereinbarung, gleich welchen Weg Sie wählen. Planen Sie das von Anfang an ein.
Entscheidungshilfe
innoGPT passt zu Ihnen, wenn …
- Sie keine eigene IT-Abteilung und keinen IT-Partner für den Betrieb haben,
- Sie Berufsgeheimnisträger sind und eine fertige § 203-Lösung suchen,
- Ihr Team KI gleichmäßig nutzt und ein fester Preis je Kopf gut planbar ist.
Open WebUI passt zu Ihnen, wenn …
- sensible Daten ausschließlich mit lokalen Modellen verarbeitet werden sollen,
- Sie selbst bestimmen wollen, welche Modelle wo laufen,
- die Nutzung im Team ungleich verteilt ist und Sie nicht für jeden Kopf gleich viel zahlen wollen,
- Sie eine eigene IT haben – oder einen Partner, der den Betrieb übernimmt.
Häufige Fragen
Basiert innoGPT auf Open WebUI?
Dazu macht der Anbieter auf seiner Website keine Angabe. innoGPT tritt als eigenes Produkt auf. Für Ihre Entscheidung ist ohnehin wichtiger, wer die Plattform betreibt und wo die Daten liegen.
Kann ich Open WebUI ohne eigene IT nutzen?
Ja, als verwalteten Dienst. Dann übernimmt ein Partner Server, Updates und Modellanbindung, und Sie nutzen die Oberfläche wie ein SaaS-Produkt – mit dem Unterschied, dass Datenstandort und Modelle verhandelbar bleiben.
Was kostet Open WebUI?
Die Software selbst ist kostenlos. Hinzu kommen Server, die Nutzung der Modelle und der Aufwand für den Betrieb. Wer lokale Modelle betreiben will, braucht zusätzlich Rechenleistung mit Grafikprozessoren. Mehr dazu im Beitrag KI selbst hosten.
Gibt es Alternativen zu beiden?
Ja, etwa LibreChat als weitere quelloffene Oberfläche. Den direkten Vergleich finden Sie in LibreChat vs Open WebUI, den Gesamtüberblick in KI-Plattform für Unternehmen.
Quellen
- innoGPT, Herstellerseite: innogpt.de
- innoGPT, Preise (abgerufen im November 2026): innogpt.de/en/pricing
- Open WebUI, Projektseite: openwebui.com
- Open WebUI, Lizenz und Branding-Regel: docs.openwebui.com/license
Fazit
innoGPT ist eine solide Wahl für Unternehmen, die KI sofort und ohne eigenen Betriebsaufwand einführen wollen, und besonders interessant für Berufsgeheimnisträger. Open WebUI ist der bessere Weg, wenn Sie selbst bestimmen wollen, wo Ihre Daten liegen und welche Modelle sie verarbeiten, und wenn Sie nicht für jeden Mitarbeiter denselben Preis zahlen möchten. Den Betrieb müssen Sie dafür nicht selbst stemmen.
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