KI-Agenten werden zunehmend spezialisiert: Ein Agent kümmert sich um Reisebuchungen, ein anderer um Rechnungsverarbeitung, ein dritter um Support. Das Problem: Wie arbeiten diese Agenten zusammen, wenn sie von verschiedenen Anbietern stammen, auf unterschiedlichen Frameworks aufbauen und keine gemeinsame Sprache kennen? Genau das löst das Agent2Agent Protocol (A2A).
In diesem Beitrag erklären wir, was A2A ist, wie es funktioniert und wie es sich zu verwandten Standards wie MCP und ACP verhält. Außerdem: Was die Übernahme durch die Linux Foundation für den praktischen Einsatz bedeutet.
Was ist das Agent2Agent Protocol (A2A)?
Das Agent2Agent Protocol (A2A) ist ein offener Standard für die Kommunikation zwischen KI-Agenten. Es definiert, wie Agenten – unabhängig von ihrem Framework, ihrem Anbieter oder ihrer internen Logik – strukturiert miteinander kommunizieren, Aufgaben delegieren und Ergebnisse austauschen können.
A2A wurde im April 2025 von Google entwickelt und veröffentlicht und anschließend der Linux Foundation übergeben, die es als neutralen Open Standard weiterführt. Damit ist A2A kein Google-Produkt mehr, sondern ein von der Community getragener Standard – ähnlich wie HTTP oder OAuth im Web.
Aktuelle Version: A2A v1.0.1 mit über 24.000 GitHub-Stars – eines der am schnellsten gewachsenen Protokoll-Projekte im KI-Umfeld.
Welches Problem löst A2A?
Ein konkretes Beispiel: Ein Nutzer gibt einem KI-Assistenten den Auftrag, eine internationale Geschäftsreise zu planen. Dafür werden mehrere spezialisierte Agenten benötigt:
- Ein Flugbuchungs-Agent
- Ein Hotelreservierungs-Agent
- Ein Währungsumrechnungs-Agent
- Ein Stadtführungs-Agent für lokale Empfehlungen
Ohne Standard muss jede dieser Verbindungen individuell entwickelt werden – aufwändig, fehleranfällig, nicht skalierbar. A2A löst das durch einen gemeinsamen Kommunikationsrahmen:
- Keine Custom-Integrationen mehr – Agenten mit A2A-Unterstützung sprechen dieselbe Sprache
- Kein Wrapping als Tools – Agenten müssen nicht wie MCP-Tools verkleidet werden, sie bleiben vollwertige autonome Einheiten
- Sicherheit by Design – Agenten sehen nicht in die innere Logik anderer Agenten, nur in die deklarierten Fähigkeiten
- Skalierbarkeit – ein Standard funktioniert für zwei Agenten genauso wie für zwanzig
Wie funktioniert A2A technisch?
A2A setzt auf etablierte, leichtgewichtige Web-Technologien: HTTP, JSON-RPC und Server-Sent Events (SSE). Kein neues proprietäres Transportprotokoll – wer REST kennt, versteht A2A sofort.
Die Kernkomponenten
Agent Card – die Visitenkarte jedes Agenten. Sie beschreibt Fähigkeiten, unterstützte Eingabe- und Ausgabeformate, Authentifizierungsanforderungen und Endpunkte. Andere Agenten oder Plattformen können diese Card lesen und den Agenten automatisch entdecken und einbinden.
Tasks – die Arbeitseinheit in A2A. Ein Task läuft durch klar definierte Zustände:
- submitted → working → completed / failed / canceled
- Sonderfall: input-required – Agent wartet auf weitere Eingaben vom Client
Drei Ausführungsmodi:
- Synchron: Direkte Antwort für kurze Aufgaben
- Asynchron: Task-ID für lange Prozesse, Client fragt Status ab
- Streaming: Echtzeit-Updates via Server-Sent Events – ideal für laufende Berichte oder Live-Analysen
Modality Independent: A2A unterstützt beliebige Content-Typen – Text, Bilder, Audio, Video, strukturierte Daten – ohne Protokollanpassungen.
Enterprise-Features
A2A wurde von Grund auf für den Unternehmenseinsatz gebaut:
- Authentifizierung und Autorisierung nach Web-Standard (HTTPS, OAuth-kompatibel)
- Multi-Tenancy-Unterstützung für Mehrmandantensysteme
- Tracing und Monitoring-Hooks für Betriebsteams
- Opaque Execution: Kein Einblick in interne Logik, Memory oder Tools anderer Agenten
A2A, MCP und ACP: Das komplette Bild
Im KI-Ökosystem gibt es aktuell drei wichtige Protokollstandards, die sich gegenseitig ergänzen – nicht ersetzen:
| Protokoll | Herkunft | Zweck | Ebene |
|---|---|---|---|
| MCP (Model Context Protocol) | Anthropic | Verbindet einen Agenten mit Tools, APIs, Datenquellen | Agent ↔ Tools |
| A2A (Agent2Agent Protocol) | Google → Linux Foundation | Standardisierte Kommunikation zwischen Agenten | Agent ↔ Agent |
| ACP (Agent Communication Protocol) | IBM → in A2A aufgegangen | War ein konkurrierender Agent-zu-Agent-Standard | Agent ↔ Agent |
Das Bild, das sich daraus ergibt: Ein Agent nutzt MCP intern, um auf seine Werkzeuge zuzugreifen. Mit A2A kommuniziert er nach außen – mit anderen Agenten, anderen Systemen, anderen Organisationen. MCP ist der Werkzeugkasten, A2A ist die Amtssprache des Agenten-Teams.
ACP (von IBM, März 2025) verfolgte einen sehr ähnlichen Ansatz. Im August 2025 wurden beide Standards unter der Linux Foundation zusammengeführt – A2A bildete die Basis, ACP-Konzepte wie offline Agent Discovery flossen ein. Das zeigt: Die Branche hat sich auf einen Weg geeinigt.
Wer unterstützt A2A?
A2A hat innerhalb weniger Monate breite Unterstützung gewonnen. Zu den Frameworks und Plattformen mit A2A-Unterstützung gehören:
- LangGraph / LangChain – populärstes Python-Framework für Agenten-Workflows
- CrewAI – Multi-Agent-Orchestrierung
- Semantic Kernel (Microsoft)
- Hermes Agent – native ACP/A2A-Unterstützung, in Multica als Runtime nutzbar
- Google ADK (Agent Development Kit) – Googles eigenes Framework
- Multica – setzt A2A als Kommunikationsstandard zwischen Agenten ein
Offizielle SDKs existieren für Python, JavaScript, Java, C#/.NET und Go.
A2A in der Praxis: Was bedeutet das für Unternehmen?
Für IT-Entscheider ist A2A kein akademisches Protokoll-Thema – es hat direkte Konsequenzen für Architekturentscheidungen:
Kein Vendor Lock-in mehr: Wer auf A2A-kompatible Agenten setzt, ist nicht an einen einzigen Anbieter gebunden. Agenten verschiedener Hersteller können im selben Team arbeiten.
Orchestrierungsplattformen wie Multica profitieren direkt: Multica kann nur dann zuverlässig funktionieren, wenn Agenten ihren Status korrekt melden, Aufgaben strukturiert entgegennehmen und Ergebnisse sauber zurückgeben. A2A definiert genau diesen Rahmen. Agenten ohne solide A2A-Unterstützung – wie es bei OpenClaw der Fall ist – erzeugen in Multica Reibung: Tasks hängen, Status-Updates kommen nicht an.
Zukunftssicherheit: Mit der Linux Foundation als Governance-Instanz und breiter Industrie-Unterstützung (Google, IBM, Microsoft-Ökosystem, Cisco) ist A2A auf einem stabilen Fundament. Das Protokoll wird sich weiterentwickeln, nicht verschwinden.
Vertrauensmodell: Agenten, die über A2A kommunizieren, sehen nicht in die innere Logik ihrer Kollegen – ein wichtiges Sicherheitsmerkmal für Unternehmen, die externe oder Drittanbieter-Agenten einbinden wollen.
Fazit: A2A als Standard für das Zeitalter der Agenten-Teams
Das Agent2Agent Protocol löst ein fundamentales Problem: KI-Agenten werden komplexer und zahlreicher, aber ohne Interoperabilitätsstandard entstehen Silos statt Teams. A2A liefert die gemeinsame Sprache – offen, leichtgewichtig und enterprise-ready.
Die Zusammenführung mit ACP unter der Linux Foundation im August 2025 war ein starkes Signal: Nicht zwei konkurrierende Standards, sondern ein gemeinsamer Weg. Für Unternehmen, die heute KI-Agenten einsetzen oder planen, gilt: A2A-Kompatibilität ist ein Qualitätsmerkmal, das bei der Framework-Auswahl zählt.
Wer mehr über das Zusammenspiel konkreter Frameworks wissen möchte: In unserem Vergleich zwischen OpenClaw und Hermes Agent und unserem ACP-Erklärungsartikel haben wir das Thema aus verschiedenen Winkeln beleuchtet.
Sie planen den Aufbau eines KI-Agenten-Teams in Ihrem Unternehmen? Sprechen Sie uns an – wir helfen Ihnen, die richtige Architektur zu wählen.




