LibreChat vs Open WebUI – diese Frage stellen sich IT-Verantwortliche, sobald sie ChatGPT im Unternehmen durch eine eigene, selbst gehostete KI-Oberfläche ersetzen wollen. Beide Projekte sind quelloffen, beide sehen auf den ersten Blick aus wie ChatGPT, und beide binden Dutzende KI-Modelle an. Unter der Haube unterscheiden sie sich aber deutlich: in der Lizenz, in der Technik, in der Verwaltung von Benutzern und in der Frage, wie gut sie mit lokalen Modellen im eigenen Rechenzentrum zusammenarbeiten. Dieser Vergleich zeigt Ihnen, wo die Unterschiede liegen und welche Oberfläche zu welchem Unternehmen passt.
Eine Offenlegung vorab: Unsere Web-KI baut auf Open WebUI auf. LibreChat setzen wir in unserer Videoreihe „Eine Aufgabe, vier Werkzeuge“ als Vergleichswerkzeug ein. Wir kennen also beide Oberflächen aus der Praxis – und schreiben trotzdem auf, wo LibreChat die bessere Wahl ist.
Kurz erklärt: Was sind LibreChat und Open WebUI?
Beide Werkzeuge sind Weboberflächen für Sprachmodelle. Sie liefern selbst keine künstliche Intelligenz, sondern verbinden Ihre Mitarbeiter mit Modellen wie GPT, Claude, Gemini, Mistral oder Llama. Der Mehrwert liegt in allem, was drumherum passiert: Benutzerverwaltung, Chatverlauf, Dokumente, Rechte, Kostenkontrolle.
Open WebUI
Open WebUI ist als „Ollama WebUI“ gestartet, also als Oberfläche für lokal betriebene Modelle. Daraus ist eine der meistgenutzten Open-Source-Oberflächen für KI geworden. Sie ist in Python geschrieben, speichert ihre Daten in SQLite oder PostgreSQL und lässt sich mit einem einzigen Container starten. Lokale Modelle über Ollama oder vLLM und Cloud-Modelle über OpenAI-kompatible Schnittstellen stehen gleichberechtigt nebeneinander.
LibreChat
LibreChat kommt aus der anderen Richtung: Es war von Anfang an als Oberfläche für viele Cloud-Anbieter gedacht – OpenAI, Anthropic, Google, Azure, AWS Bedrock und beliebige eigene Endpunkte. Technisch basiert es auf Node.js und React, Daten liegen in MongoDB, die Suche läuft über Meilisearch. Im November 2025 hat der Datenbankhersteller ClickHouse das Projekt übernommen. Die Lizenz ist laut Projekt unverändert MIT geblieben.
LibreChat vs Open WebUI: Die Unterschiede im Überblick
| Kriterium | Open WebUI | LibreChat |
|---|---|---|
| Lizenz | BSD-3 mit Branding-Klausel seit Version 0.6.6 (April 2025) | MIT, ohne Einschränkung beim Branding |
| Technik | Python, SQLite oder PostgreSQL, ein Container | Node.js, MongoDB, Meilisearch, optional RAG-Dienst mit pgvector |
| Lokale Modelle | Sehr stark, Ollama ist direkt integriert | Möglich über eigene Endpunkte, aber nicht der Schwerpunkt |
| Cloud-Anbieter | Über OpenAI-kompatible Schnittstellen, oft mit einem Proxy wie LiteLLM | Viele Anbieter nativ, inklusive Azure und Bedrock |
| Benutzerverwaltung | Rollen, Gruppen, Modellfreigaben je Gruppe, SSO, LDAP, SCIM | SSO über OAuth/OIDC und LDAP, Rollen für Agenten und Funktionen |
| Dokumente (RAG) | Eingebaut, viele Vektordatenbanken, hybride Suche | Über separaten RAG-Dienst |
| Werkzeuge und MCP | Funktionen, Pipes, Werkzeuge, MCP | Agenten-Baukasten ohne Code, MCP-Server vom Administrator freigegeben |
| Konfiguration | Überwiegend in der Oberfläche | Überwiegend in der Datei librechat.yaml |
Lizenz: Der Unterschied, den viele übersehen
Bis Version 0.6.5 stand Open WebUI unter der klassischen BSD-3-Lizenz. Seit Version 0.6.6 vom April 2025 gilt eine zusätzliche Klausel: Wer Open WebUI betreibt, darf den Namen und das Logo „Open WebUI“ nicht entfernen oder verändern. Ausnahmen gibt es nur in drei Fällen: höchstens 50 Benutzer innerhalb von 30 Tagen, eine schriftliche Erlaubnis für Projektbeitragende oder eine kostenpflichtige Enterprise-Lizenz.
Wichtig ist, was die Klausel nicht regelt. Die Nutzung selbst bleibt frei. Sie dürfen Open WebUI im ganzen Unternehmen einsetzen, mit beliebig vielen Mitarbeitern, auch kommerziell. Sie müssen nur das Branding sichtbar lassen. Die Projektverantwortlichen schreiben selbst, dass die Lizenz damit keine von der Open Source Initiative anerkannte Open-Source-Lizenz mehr ist.
Für die meisten Mittelständler ist das unkritisch. Wer intern eine KI-Oberfläche mit dem Namen Open WebUI im Fenster betreibt, hat kein Problem. Relevant wird es in zwei Situationen:
- Eigenes Erscheinungsbild: Sie wollen die Oberfläche mit eigenem Logo und Namen ausrollen, etwa als „Firmen-GPT“, und haben mehr als 50 Benutzer.
- Weitervertrieb: Sie bieten die Oberfläche Ihren Kunden als eigenes Produkt an.
LibreChat hat dieses Thema nicht. Die MIT-Lizenz erlaubt Ihnen, Namen und Logo nach Belieben zu ersetzen. Für ein Firmenportal im eigenen Design ist das ein echter Vorteil.
Lokale Modelle und Datenschutz
Hier liegt die größte Stärke von Open WebUI. Weil das Projekt als Oberfläche für Ollama gestartet ist, fühlen sich lokale Modelle dort wie zu Hause an: Modelle herunterladen, verwalten und freigeben geht direkt aus der Administration. Wer sensible Daten wie Personalakten, Verträge oder Kalkulationen nur mit Modellen im eigenen Rechenzentrum verarbeiten will, kommt mit Open WebUI schneller ans Ziel. Mehr dazu, warum das für viele Unternehmen der entscheidende Punkt ist, lesen Sie in unserem Beitrag KI selbst hosten.
LibreChat kann lokale Modelle ebenfalls einbinden, etwa über einen eigenen Endpunkt in der Konfigurationsdatei. Das funktioniert, ist aber Handarbeit. Der Fokus des Projekts liegt sichtbar auf den großen Cloud-Anbietern. Wer vor allem Azure OpenAI, Claude über AWS Bedrock und Gemini nebeneinander anbieten will, findet in LibreChat dafür fertige Anbindungen.
Benutzerverwaltung, Rechte und Kosten
Sobald mehr als eine Handvoll Mitarbeiter mit der Oberfläche arbeitet, werden drei Fragen wichtig: Wer darf welches Modell nutzen? Wie melden sich die Mitarbeiter an? Und wer behält die Kosten im Blick?
Open WebUI
Open WebUI bringt in der freien Version Rollen, Benutzergruppen und Modellfreigaben je Gruppe mit. Laut Projektdokumentation sind auch Anmeldung über OIDC, LDAP, Benutzerabgleich per SCIM und ein Audit-Protokoll enthalten. Für ein Unternehmen mit 30 oder 300 Mitarbeitern reicht das in aller Regel aus. Kostenkontrolle je Benutzer bringt Open WebUI dagegen nicht von Haus aus mit. Dafür schaltet man üblicherweise einen Proxy wie LiteLLM dazwischen, der Budgets je Benutzer oder Schlüssel durchsetzt.
LibreChat
LibreChat unterstützt ebenfalls Anmeldung über OAuth, OIDC und LDAP. Rechte werden stärker über Rollen und die Konfigurationsdatei gesteuert, etwa wer Agenten bauen und teilen darf. Für einfache Szenarien gibt es ein Guthabensystem je Benutzer. Wer feingliedrige Budgets nach Abteilung braucht, landet auch hier bei einem vorgeschalteten Proxy.
Agenten, Werkzeuge und MCP
Beide Oberflächen sind längst mehr als ein Chatfenster. Sie können Werkzeuge aufrufen, im Internet suchen, Code ausführen und über das Model Context Protocol (MCP) an fremde Systeme andocken. Der Ansatz unterscheidet sich aber:
- LibreChat setzt auf einen Agenten-Baukasten ohne Programmierung. Der Administrator legt fest, welche MCP-Server verfügbar sind. Mitarbeiter mit der passenden Rolle bauen daraus eigene Assistenten und teilen sie über einen internen Marktplatz. Thoughtworks hat LibreChat genau deshalb in seinem Technology Radar in den Ring „Trial“ aufgenommen.
- Open WebUI ist offener für Entwickler. Über „Functions“ und „Pipes“ lässt sich nahezu jedes Verhalten in Python nachrüsten, dazu kommen Werkzeuge und MCP. Das ist mächtiger, verlangt aber jemanden, der es pflegt.
Eine ehrliche Einschätzung aus unserem Alltag: Für echte digitale Mitarbeiter, die selbstständig in Ticketsystem, ERP oder Werbekonto arbeiten, stoßen beide Oberflächen an Grenzen. Dafür braucht es Budgets je Agent, saubere Berechtigungen je Werkzeug und Protokolle über jeden Schritt. Mehr dazu in unserem Überblick KI-Plattform für Unternehmen.
Betrieb und Aufwand
Open WebUI ist schnell gestartet: ein Container, eine Datenbank, fertig. Updates erscheinen sehr häufig, teils mehrmals im Monat. Das bringt neue Funktionen, verlangt aber Disziplin beim Testen, denn nicht jede Version läuft ohne Nacharbeit.
LibreChat besteht aus mehr Bausteinen: Anwendung, MongoDB, Meilisearch und für Dokumente ein eigener RAG-Dienst mit PostgreSQL. Mit Docker Compose ist auch das in einer Stunde aufgesetzt. Im Dauerbetrieb müssen Sie aber mehr Dienste sichern, überwachen und aktualisieren.
| Aufgabe im Betrieb | Open WebUI | LibreChat |
|---|---|---|
| Datensicherung | Eine Datenbank plus Dateiablage | MongoDB, Meilisearch-Index, PostgreSQL, Dateiablage |
| Updates | Sehr häufig, vorher in Testumgebung prüfen | Regelmäßig, Konfigurationsdatei auf Änderungen prüfen |
| Modelle einbinden | In der Oberfläche | In librechat.yaml, danach Neustart |
| Eigenes Logo | Über 50 Benutzer nur mit Enterprise-Lizenz | Frei möglich |
Für wen eignet sich welche Oberfläche?
Open WebUI passt zu Ihnen, wenn …
- sensible Daten mit lokalen Modellen im eigenen Rechenzentrum verarbeitet werden sollen,
- Sie Modellfreigaben nach Gruppen und Rollen in der Oberfläche pflegen wollen, ohne Konfigurationsdateien,
- Dokumente und Firmenwissen direkt in der Oberfläche durchsuchbar sein sollen,
- Sie mit dem Namen Open WebUI im Fenster leben können oder unter 50 Benutzern bleiben.
LibreChat passt zu Ihnen, wenn …
- Ihre Modelle überwiegend aus der Cloud kommen, etwa über Azure OpenAI oder AWS Bedrock,
- Fachabteilungen eigene Assistenten ohne Programmierung bauen und teilen sollen,
- das Portal komplett in Ihrem eigenen Erscheinungsbild auftreten muss,
- Ihre IT gern mit versionierten Konfigurationsdateien arbeitet.
Häufige Fragen
Ist Open WebUI noch Open Source?
Der Quellcode ist weiterhin offen und frei nutzbar. Wegen der Branding-Klausel ist die Lizenz seit Version 0.6.6 aber keine von der Open Source Initiative anerkannte Open-Source-Lizenz mehr. Für den internen Einsatz ändert das in der Praxis wenig.
Kann ich von Open WebUI zu LibreChat wechseln?
Ja, aber nicht auf Knopfdruck. Chatverläufe, Benutzer und Dokumentensammlungen liegen in unterschiedlichen Datenbanken und Formaten. Planen Sie einen Wechsel deshalb wie eine kleine Migration und beginnen Sie mit einer Pilotgruppe.
Welche Oberfläche ist sicherer?
Beide sind so sicher wie ihr Betrieb. Entscheidend sind Updates, eine saubere Anmeldung über Ihr Verzeichnis, Verschlüsselung und klare Regeln, welche Daten an welches Modell gehen dürfen. Wie Sie unkontrollierte KI-Nutzung im Unternehmen in den Griff bekommen, lesen Sie in unserem Beitrag zur Schatten-KI.
Gibt es weitere Alternativen?
Ja. Einen Überblick über weitere selbst gehostete Oberflächen finden Sie in unserem Beitrag Open WebUI Alternativen.
Quellen
- LibreChat, Projektseite: librechat.ai
- Open WebUI, Projektseite: openwebui.com
- Open WebUI, Lizenz und Branding-Regel: docs.openwebui.com/license
- Thoughtworks Technology Radar zu LibreChat: thoughtworks.com
Fazit
Im Vergleich LibreChat vs Open WebUI gibt es keinen pauschalen Sieger. Open WebUI ist die bessere Wahl, wenn lokale Modelle, Datenschutz und einfache Verwaltung in der Oberfläche im Vordergrund stehen. LibreChat spielt seine Stärken aus, wenn viele Cloud-Anbieter, ein eigenes Erscheinungsbild ohne Lizenzfragen und Assistenten aus den Fachabteilungen gefragt sind. Beide Projekte sind ausgereift genug für den Unternehmenseinsatz – vorausgesetzt, jemand kümmert sich verlässlich um Betrieb, Updates und Rechte.
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