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Bei einer Linux Distribution handelt es sich um eine Zusammenstellung von aufeinander abgestimmter Software, die um den sogenannten Linux-Kernel gruppiert wird. Eine Linux Distribution kann somit auch als ein auf Linux basiertes Betriebssystem bezeichnet werden, auch wenn es im Vergleich zu anderen gängigen Betriebssystemen einige Unterschiede gibt, auf die wir noch zu sprechen kommen werden.

Das Open Source Projekt GNU/Linux

Bei Linux-Distributionen handelt es sich im ursprünglichen Sinne um freie Betriebssysteme, die dem Nutzer kostenlos zur Verfügung stehen und von jedem Nutzer den eigenen Wünschen entsprechend angepasst werden darf.

Die Entwicklung des Linux-Kernels geht dabei auf den finnischen Programmierer Linus Torvalds zurück, der Anfang der 90er Jahre damit begonnen hat eine Umgebung für sein Terminal zu schreiben – ursprünglich aus dem privaten Wunsch heraus seinen Computer besser zu verstehen. Mit der Integration in GNU – eine Sammlung aus freier Software und Bibliotheken – hat sich daraus das weltweit erste freie Betriebssystem entwickelt, das mittlerweile von Millionen Nutzern auf der ganzen Welt verwendet wird.

Aufgrund der engen Einbindung von GNU-Programmen werden einige Distributionen auch als GNU/Linux Distribution bezeichnet. Unter den Entwicklern hat sich ein regelrechter Namensstreit entwickelt, ob der Zusatz nun angegeben werden sollte oder nicht – in der Praxis sind beide Bezeichnungen weit verbreitet.

Obwohl es sich bei Linux ursprünglich um ein kostenfreies Projekt handelte und auch heute noch zahlreiche Programmierer ehrenamtlich an der Weiterentwicklung der Software arbeiten, gibt es mittlerweile auch kostenpflichtige Distributionen, die von kommerziellen Anbietern vertrieben und weiterentwickelt werden. Im folgenden werden wir auf die eine oder andere Linux Distribution im Detail eingehen, darunter sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Versionen.

Red Hat Linux

Die Red Hat Linux ist eine Linux-Distribution, die 1994 von dem US-amerikanischen Softwarehersteller Red Hat erstmalig zusammengestellt wurde und für eine Zeit zu einer der meist verbreiteten Distributionen heranwuchs. Mittlerweile wurde das Projekt zwar eingestellt, da es jedoch in die Entwicklung zweier anderer Distributionen – der Fedora und der Red Hat Enterprise Linux – aufging, hat die Red Hat Linux auch heute noch eine große Bedeutung für die Linux-Community.

Fedora

Das Fedora-Projekt hat sich als Zusammenschluss von Mitgliedern der Free-Software-Community entwickelt, wobei das Unternehmen Red Hat federführend in der Entwicklung ist. Es handelt sich also um eine freie Linux Distribution. Dabei werden neben dem generellen Aufbau von Open-Source-Software-Communites auch eine Reihe von Werten und Idealen propagiert, darunter die Verbreitung freier kultureller Inhalte, das Prinzip der selbstverständlichen Zusammenarbeit, sowie der Wunsch, dass Menschen Kontrolle über ihre eigenen Geräte und die darauf zum Einsatz kommende Software haben sollten.

Bei der Fedora Linux Distribution handelt es sich um eine Distribution, die für Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen einsetzbar ist. Sie zeichnet sich vor allem durch eine hohe Aktualität der Software aus, verzichtet im Gegensatz dazu aber auf einen Langzeit-Support.

Red Hat Enterprise Linux

Die Red Hat Enterprise Linux ist eine auf Red Hat Linux basierende kommerzielle Distribution, die speziell für Unternehmen zusammengestellt und vertrieben wird. Sie gilt als die beliebteste Linux Distribution für Unternehmenszwecke.

Ein großer Vorteil, der sich in der Weiterentwicklung der Distribution ergibt, ist die Nähe zum Community-Projekt Fedora. Im Gegensatz zu den meisten kommerziellen Angeboten profitieren Open-Source-Projekte von der großen Community, die Rückmeldung an die Softwareentwickler gibt und bei der Aufdeckung und Behebung von Bugs enorm hilfreich sein kann. Da Red Hat das Fedora-Projekt maßgeblich finanziert, nutzt es die Arbeit der Community auch für die Weiterentwicklung der Red Hat Enterprise Linux Distribution.

CentOS

CentOS ist eine zur Red Hat Enterprise Linux binärkompatible Linux Distribution, die von einer offenen Gruppe freiwilliger Softwareentwickler betreut und weiterentwickelt wird. Binärkompatibel bedeutet, dass alle Programme, die für Red Hat Enterprise Linux geschrieben wurden, auch auf CentOS laufen ohne kompiliert werden zu müssen. CentOS ist damit eine alternative Linux Distribution für Unternehmen, bei der kein Support Vertrag mit Red Hat geschlossen werden muss.

SUSE Linux

Die SUSE Linux GmbH ist ein Unternehmen, dass bereits seit Anfang der 90er Jahre Linux-Distributionen entwickelt und vertreibt. Im Zuge einer Firmenübernahme auf der einen Seite und der Entstehung einer Open Community auf der anderen Seite haben sich seither verschiedene Ableger zu der ursprünglichen Distribution entwickelt, die sowohl auf Privatpersonen als auch auf Unternehmen abzielen.

openSUSE

openSUSE ist eine freie Linux Distribution, die maßgeblich von der openSUSE-Community weiterentwickelt wird und sich an Privatpersonen richtet – sowohl an Linux Einsteiger als auch an fortgeschrittene Nutzer. Die Distribution zeichnet sich dank der übersichtlichen Benutzeroberfläche als besonders benutzerfreundlich aus und weist eine hohe Stabilität auf.

SUSE Linux Enterprise

SUSE Linux Enterprise ist der kommerzielle Ableger der SuSE Linux und richtet sich an Unternehmen. Es gibt eine Version für Desktopsysteme und eine Version, die speziell für die Nutzung auf Servern konzipiert ist.

Debian basierte Linux Distributionen

Debian GNU/Linux ist ein weitverbreitetes und beliebtes, freies Betriebssystem, das als Grundlage für zahlreiche weitere Linux Distributionen dient. Das Debian-Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass die freiwilligen Entwickler vor Teilnahme am Projekt auf ihre Eignungen hin überprüft werden. Dem Fedora-Projekt liegt dem Debian-Projekt eine eigene Ideologie zugrunde, die von den Mitgliedern geteilt und verbreitet werden soll.

Ubuntu Linux

Ubuntu ist die bekannteste Linux Distribution. Die Distribution basiert auf Debian und zeichnet sich dadurch aus, dass sie einfach zu benutzen und einfach zu installieren ist. Aus diesem Grund wird Ubuntu von den meisten Anwendern für Linux Einsteiger empfohlen. Ein großes Ziel bei der Entwicklung von Ubuntu ist auch die Barrierefreiheit. Indem neben der eigentlichen Programmierarbeit auch viel an Übersetzungen und der Erstellung von barrierehemmenden Hilfsmitteln gearbeitet wird, trägt das Projekt zu einer vielfältigen Gemeinschaft an Linux Nutzern bei.

Linux Mint

Linux Mint ist eine Linux Distribution, die sich als Ubuntu Ableger entwickelt hat, mit dem Ziel auch proprietäre – also kommerzielle – Software in die Nutzung einzubinden. Während bei Ubuntu eine strikte Trennung zwischen freier und proprietärer Software gehandhabt wurde, haben sich die Entwickler die Linux Mint Distribution zum Ziel gesetzt vor allem beliebte Software in die Distribution integrierbar zu machen.

Mittlerweile gibt es neben der auf Ubuntu basierenden Distribution auch eine weitere, die direkt auf Debian basiert, die sogenannte Linux Mint Debian Edition.

Fazit

Das Grundprinzip von GNU/Linux zeichnet sich vor allem durch die freie Verfügbarkeit aus. Dank der freiwilligen Mithilfe von unzähligen Entwicklern in sogenannten Open-Source-Communities haben sich unter Linux eine Vielzahl von hochentwickelten, stabilen und anwenderfreundlichen Betriebssystemen gebildet, die im Gegensatz zu den herkömmlichen kommerziellen Betriebssystemen, wie Windows oder Mac OS, vollständig kostenfrei zugänglich sind. Ein weiteres besonderes Merkmal von Linux Distributionen ist die umfangreiche Software, die in der Zusammenstellung bereits enthalten ist.

Neben den freien Distributionen sind mittlerweile auch kommerzielle Ableger auf dem Markt, vor allem bei den auf Unternehmen ausgerichteten Distributionen. Doch auch innerhalb der freien Distributionen ist heutzutage die Nutzung proprietärer Software relativ weit verbreitet. So kommen auch auf Linux Betriebssystemen oftmals Browser zum Einsatz, die kommerziell vermarktet werden, zum Beispiel Google Chrome oder Firefox.

Bei Debian handelt es sich um ein gemeinschaftlich entwickeltes Linux Betriebssystem, welches als kostenloser Download zur Verfügung gestellt wird. Debian basiert größtenteils auf den grundlegenden Komponenten des GNU-Projekts und einem Teil des Linux-Kernels. Aktuell befindet sich das freie Betriebssystem in der 11. Version, die unter dem Namen Bullseye erhältlich ist. Debian erfreut sich einer gigantischen Nutzergemeinde, die aktiv an der Entwicklung des Betriebssystems und der dazugehörigen Programmpakete beteiligt ist. Aktuell sind rund 60000 unterschiedliche Programmpakete für Debian erhältlich.

Entwicklungsgeschichte dieser Linux-Variante

Das Debian-Projekt wurde im Jahr 1993 von dem US-amerikanischen Informatiker Ian Murdock ins Leben gerufen und wird seitdem fortwährend weiterentwickelt und wird kontinuierlich mit neuen Funktionen und Features versehen. Der Name Debian leitet sich aus dem Namen des Gründers und seiner Lebensgefährtin Debra Lynn ab (Deb+Ian). Debian hat sich im Laufe der Zeit als eines der meistgenutzten freien Betriebssysteme auf Basis des Linux-Kernels etabliert. Das freie Betriebssystem kommt bei vielen anderen Linux-Distributionen zum Einsatz. Das bekannteste und meistgenutzte Debian-Derivat ist Ubuntu‎, das von Millionen von Nutzern weltweit genutzt wird. Debian ist in erster Linie für seine innovative Paketverwaltung „dpkg“ und deren Frontend „APT“ bekannt. Diese ermöglichen ältere Versionen von Debian schnell und unkompliziert durch aktuelle zu ersetzen oder neue Programmpakete zu installieren. Sie sind ebenso dafür zuständig, alle externen Abhängigkeiten von einem Programm automatisch zu laden und zu installieren.

Organisation

Das Betriebssystem wird von mehr als 1000 Software-Entwicklern betreut, die kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Systems arbeiten. Ein Debian-Entwickler kann jeder Programmierer werden, der über die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügt und den sogenannten „New-Member-Prozess“ erfolgreich meistert. Alle Bewerber werden hinsichtlich ihrer Kenntnisse ausgiebig geprüft. Das Debian-Projekt wird durch die sogenannte „Debian-Verfassung“ konstituiert. Mit dieser wird die demokratische Organisationsstruktur durch regelmäßig stattfindende Wahlen geregelt. Des Weiteren verpflichtet sich das Projekt mit einem Gesellschaftsvertrag zu freier Software.

Am 26. April 2004 trat die Version 1.1 des Gesellschaftsvertrags in Kraft. Die Änderungen im Inhalt des Vertrags besagen, dass sämtliche Komponenten des Debian-Betriebssystems frei sein müssen und nicht nur das System als Gesamtprodukt. Aktueller Leiter des Projekts ist der englische Softwareentwickler Chris Lamb. Der Posten des Leiters wird einmal im Jahr im Rahmen einer Wahl neu vergeben. Alle Wahlen und Abstimmungen werden auf elektronischem Wege nach der Schulze-Methode abgewickelt. Im Jahr 1997 wurde als Dachorganisation für Debian und weitere Open-Source-Projekte die „Software in the Public Interest“ gegründet.

Besonderheiten

Debian ist als Linux Distribution in erster Linie für seine performante Paketverwaltung „dpkg“ und deren innovative Frontend „APT“ bekannt. Durch den Einsatz dieser beiden Komponenten können ältere Debian-Versionen ohne viel Aufwand auf den neuesten Stand gebracht werden. Darüber hinaus lassen sich bestehende Softwarepakete schnell und einfach aktualisieren und neue Programmpakete binnen weniger Mausklicks installieren. Das System bietet Unterstützung für eine breite Vielzahl unterschiedlicher Hardware-Architekturen, wobei in diesem Zusammenhang zwischen den „offiziellen Architekturen“ und den sogenannten „Ports“ unterschieden wird. Als Ports werden Release-Architekturen bezeichnet, die von kleineren Entwickler-Teams betreut werden und nur als sogenannte „Unstable-Versionen“ erhältlich sind. Jede neue Architektur wird zunächst als Port betreut und kann im Laufe des Entwicklungsprozesses zu einer offiziellen Release-Architektur aufgewertet werden. Umgekehrt kann ebenso eine offiziell unterstützte Architektur zu einem Port abgewertet werden, falls die Anforderungen an Release-Architekturen nicht mehr in ihrer Gesamtheit erfüllt werden.

Sicherheitsaspekte

Alle Software- und Sicherheitsprobleme werden öffentlich behandelt, wodurch ein hohes Maß an Transparenz gewährleistet wird. Sicherheitsaspekte werden unter Einbezug der Öffentlichkeit auf der Debian-Security-Announce-Mailingliste diskutiert. Von dieser Vorgehensweise versprechen sich die Leiter des Projekts ein schnelleres Auffinden potenzieller Sicherheitslücken und damit die Möglichkeit diese rascher beseitigen zu können. Die Tatsache, dass die Entwicklung neuer und bestehender Betriebssystem-Komponenten und Softwarepakete öffentlich sichtbar ist und unter der Beteiligung einer Großzahl von Entwicklern realisiert wird, erfordert spezielle Sicherheitsmaßnahmen. So werden beispielsweise Änderungen an Paketen mit einem digitalen Schlüssel versehen. Bei dem Endanwender wird dann die Gültigkeit des digitalen Schlüssels vor der Installation überprüft. Diese Maßnahme soll die Einschleusung schädlicher Computerprogramme und Codefragmente in Debian-Pakete unmöglich machen.

Verbreitung von Debian

Laut einer Online-Umfrage, die im Auftrag von Heise Online durchgeführt wurde, ist Debian mit 47 Prozent das am meisten genutzte Open-Source-Betriebssystem in deutschen Firmen. Im Bereich der freien Betriebssysteme nimmt Debian mit einer Verbreitung von rund 30 Prozent den zweiten Platz hinter Ubuntu-Linux ein, das ebenfalls auf Debian basiert. In Deutschland ist die Stadt München zwischen 2006 und 2013 auf die auf Debian basierte Linux-Distribution LiMux umgestiegen. Aufgrund unvorhersehbarer Komplikationen mit der IT-Infrastruktur ist jedoch eine Rückkehr zu Windows-Systemen bis 2020 geplant.

Derivate von Debian wie Ubuntu

Das freie Betriebssystem eignet sich aufgrund seiner gigantischen Auswahl an Paketen und der zuverlässigen Paketverwaltung ideal dazu, um eigenständige Linux-Distributionen abzuleiten. Aus diesem Grund gibt es eine große Vielzahl von Distributionen, die für ihre Basis Komponenten und Pakete von Debian verwenden. Einige bekannte Beispiele sind:

–              Ubuntu

–              Knoppix

–              Linux Mint

Angaben der GNU/Linux Distribution Timeline zufolge gibt es derzeit mehr als 480 Distributionen, die aus Debian abgeleitet sind. Viele dieser Derivate sind für einen bestimmten Zweck entwickelt worden, wie beispielsweise zum Einsatz als Webserver oder an der Universität.