Immer mehr führende Software-Produzenten setzen auf das sogenannte Software-as-a-Service-Modell (SaaS), das seinen Ursprung im Bereich des Cloud-Computings hat. Einige bekannte Beispiele sind die digitale Bildbearbeitungs-Software „Photoshop“ von Adobe und das „Office-Paket“ von Microsoft. Diese können gegen eine monatliche oder jährliche Lizenzgebühr genutzt werden. Doch bis Anfang der 2010er Jahre war ein anderes Lizenzmodell bei Microsoft, Adobe und Co. üblich, das als On-Premise-Modell oder On-Premises-Betrieb bezeichnet wird. Im Rahmen dieses Modells installieren die Lizenznehmer die Software auf die eigenen Computer, ganz ohne Cloud-Umgebung und Internetzugang. Im folgenden Artikel erklären wird, wobei es sich beim On-Premise-Betrieb genau handelt und welche Vor- und Nachteile es bringt.

Was ist On-Premise-Betrieb

Der Begriff „On-Premise“ ist englischen Ursprungs und bedeutet in die deutsche Sprache übersetzt so viel wie „vor Ort“. Diese Definition von On-Premise bezieht sich in erster Linie auf die Nutzung physischer Server in einer eigenen IT-Umgebung. Der Kunde (Lizenznehmer) kauft das Software-Paket und installiert dieses im eigenen Rechenzentrum (On Premises). Der Lizenznehmer ist dabei für die Installation, die Wartung und die Konfiguration verantwortlich. Es steht auch die Möglichkeit offen, dass der Kunde die gekaufte Software auf dedizierten Servern eines IaaS-Anbieters, wie beispielsweise Microsoft Azure oder Amazon Web Services, installiert. Im Gegensatz zu Software-as-a-Service (SaaS) haben die Kunden beim On-Premises-Betrieb die volle Kontrolle über die Software und übernehmen auch alle damit verbundenen Risiken und Obligationen in eigener Verantwortung.

Wichtig zu begreifen ist, dass die Software keinesfalls auf den Servern des Software-Herstellers läuft. Dadurch wird dieses Modell deutlich zu gängigen Cloud-Computing-Modellen abgegrenzt. Denn die Kunden übernehmen nicht nur die Verantwortung, sondern auch alle anfallenden Kosten, die durch die Nutzung des Software-Pakets verursacht werden. Hierzu gehören in der Regel Kosten für den Betrieb von Hard- und Software sowie Wartungsgebühren. Auch freie Software, die unter einer Open-Source-Lizenz von einer engen Gemeinschaft an Entwicklern entwickelt und gepflegt wird, wird in der Regel als On-Premises-Software vertrieben. Der Nachteil bei dem Einsatz von Open-Source-Software im On-Premises-Betrieb spiegelt sich in der Tatsache wider, dass jeglicher Gewährleistungsanspruch entfällt. Bei Bedarf lässt sich der notwendige Support allerdings von Drittanbietern einkaufen.

Zukunftsaussichten von On-Premises-Betrieb

Die Bedeutung von On-Premises-Betrieb nimmt seit 2010 kontinuierlich ab. Dies ist in erster Linie darauf zurückzuführen, da dass traditionelle Lizenzmodell immer stärker durch das Software-as-a-Service-Modell (SaaS) verdrängt wird. Anders als beim On-Premises-Betrieb bezahlt der Nutzer eine monatliche oder jährliche Lizenzgebühr, die neben der Nutzung der Software auch die Wartung und den Betrieb abdeckt. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass wie beim On-Premises-Betrieb die Lizenz nicht einmalig gekauft wird, sondern in regelmäßigen Intervallen erneuert wird. Alle benötigten Software- und Hardware-Ressourcen werden von dem jeweiligen Software-Anbieter bereitstellt. Der lokale Einsatz von Software war vor der massenhaften Verbreitung von Cloud-Computing der Normalfall. Der Begriff „On-Premises-Betrieb“ hat sich erst im Rahmen der verstärkten Nutzung von SaaS-Lösungen etabliert, um das bis dahin gängige Lizenzierungsmodell davon abzugrenzen.

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Vor- und Nachteile im Überblick

Vor dem massenhaften Umstieg auf Cloud-Angebote zählten bekannte Software-Unternehmen wie Microsoft, SAP und Adobe zu den etablierten Entwicklern von On-Premises-Lösungen. Allerdings hat das traditionelle Lizenzmodell durchaus noch seine Daseinsberechtigungen. Für viele Unternehmen stellt der On-Premises-Betrieb die bessere Wahl gegenüber modernen SaaS-Angeboten dar. Die wichtigsten Gründe dafür sind die volle Kontrolle über alle Daten und Zugriffe und ein stärkerer Datenschutz. Der On-Premises-Betrieb hat darüber hinaus auch einige weitere Vor- und Nachteile.

Die Vorteile

  1. Einmalige Kosten: Kunden bezahlen beim On-Premises-Modell nur einen einmaligen Preis für den Kauf und die unbefristete Nutzung des Software-Produkts. Die Anschaffungskosten sind jedoch höher als beim SaaS-Modell.
  2. Kontrolle: Kunden haben beim On-Premises-Betrieb die volle Kontrolle über sämtliche Daten und können die Zugriffsrechte nach eigenen Anforderungen und Bedürfnisse konfigurieren. Darüber hinaus ist der Kunde für die Auslastung interner Ressourcen sowie für den Betrieb der Software verantwortlich.
  3. Unabhängigkeit: Kunden genießen ein hohes Maß an Unabhängigkeit von externen Anbietern. So ist beispielsweise der Zugriff auf die Daten auch ohne Internetzugang stets gewährleistet.
  4. Datenschutz: Bei dem On-Premises-Betrieb bewahren Kunden alle Daten in eigenen Datenzentren auf, sodass Drittpersonen keinen Zugriff darauf haben. Dadurch wird der Prozess der Einhaltung der gesetzlichen Datenschutzbestimmungen wesentlich vereinfacht, da Cloud-Rechenzentren in vielen Fällen in Ländern mit abweichenden Datenschutzbestimmungen betrieben werden.

Die Nachteile

  1. Hardware: Die Kunden müssen die benötigte Hardware anschaffen, welche die Anforderungen der Software in vollem Umfang erfüllt. Außerdem müssen sich Kunden in Eigenregie um die laufende Wartung kümmern.
  2. Lizenzkosten: Eine Lizenz ist in der Regel auf eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstationen begrenzt. Bei großen Unternehmen mit sehr vielen Mitarbeitern können dadurch hohe Kosten entstehen.
  3. Laufende Kosten: Insbesondere bei Software-Produkten, die an die individuellen Anforderungen und Bedürfnisse des Unternehmens angepasst wurden, entstehen hohe Kosten für die Implementierung neuer Funktionen, Behebung von Fehlern und das Einspielen von Updates.
  4. Fehlender Support: Bei vielen Software-Produkten ist es in der Regel so, dass die Weiterentwicklung nach einigen Jahren eingestellt wird. Damit läuft auch der Support für die Software aus, sodass keine Updates mehr bereitgestellt werden, um Fehler und Sicherheitslücken zu beheben.
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