Bildbearbeitung heute: KI versus manuell

Die moderne private und professionelle Fotografie ist zu einem extrem überwiegenden Anteil digital. Da es hierbei keine analogen, physischen Zwischenschritte gibt, kommt insbesondere die Profifotografie sowie die gesamte Nutzerschar ihrer Arbeitsergebnisse nicht mehr ohne Bildbearbeitung, respektive Bildoptimierung aus – so leistungsfähig digitale Kameras auch sein mögen, so sehr lässt sich ein Bild durch Nachbearbeitung in jeglicher Hinsicht optimieren oder für den geplanten Verwendungszweck anpassen.

Wo wir uns jedoch Mitte der 20er Jahre befinden, muss dafür stets eine Entscheidung für die Art der Bildbearbeitung fallen. Zur Auswahl stehen manuelle Optimierungen durch Menschen mit einer entsprechenden Software oder weitgehend automatisierte Bearbeitungen durch künstliche Intelligenz.

Schlüsselerkenntnisse

·         Bildbearbeitung kann ein Motiv deutlich aufwerten. Sie ist deshalb in einem breiten Feld zwischen Privatbereich, Presse, E-Commerce und Marketing absolut Usus.

·         Was die Leistungsfähigkeit anbelangt, können es viele künstliche Intelligenzen mittlerweile fast mit professionellen Bildbearbeitungsprogrammen als auch erfahrenen Anwendern aufnehmen.

·         Wo die Stärke von KI-Bildbearbeitung vor allem darin besteht, große Mengen von Standardaufgaben in kurzer Zeit zu bewältigen, kann manuelle Bildbearbeitung, speziell mit Profi-Werkzeugen und durch kundige Hände durchgeführt, weiterhin die besseren Ergebnisse liefern, wenn es um komplexere Aufgabenstellungen geht.

Manuelle Bildbearbeitung

Das nachträgliche Bearbeiten von Fotos ist fast so alt wie die Fotografie selbst. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Bilder retuschiert – nachdem das welterste Foto erst 1826 entstanden war.

Selbst, wenn wir uns nur auf digitale Manipulation konzentrieren, darf man aus heutiger Sicht mit Fug und Recht von einer alten Technik sprechen:

·         Erste Bildscanner, mit denen sich analoge Fotos digitalisieren ließen, wurden Mitte der 1950er entwickelt.

·         Die digital arbeitende und speichernde Kamera wurde Mitte der 1970er erfunden.

·         Die ersten digitalen Bildbearbeitungsprogramme erschienen in den späten 1980ern und frühen 1990ern. Etwa CorelDRAW (1989) oder Adobe Photoshop (1990).

·         Ab 1991 kamen die ersten Digitalkameras auf den Markt.

Sieht man vom am Computer erfolgenden Erstellen rein digitaler Graphiken ab und fokussiert sich auf das klassische Bearbeiten eines Fotos am PC, dann handelt es sich also um ein gut und gerne 35 Jahre altes Verfahren. Tatsächlich war ihm bereits von Anfang an großer professioneller Erfolg beschieden.

Wohl wurde das „Photoshoppen“ vielfach kritisch betrachtet – damals herrschte eine ganz ähnliche Stimmung vor, wie vor einigen Jahren, als die ersten Deepfakes aufkamen. Nichtsdestotrotz wurden die Programme bereits in den frühen 1990ern umfassend u.a. im publizistischen Bereich genutzt. Beispielsweise kursiert in der Szene 1990 als das Jahr, in dem eines der weltgrößten Herrenmagazine seine unbekleideten Models erstmalig mithilfe von Software optisch optimierte.

Und spätestens Mitte der 1990er hatten sich diese Praktiken breit etabliert. Nicht vorrangig zum täuschenden „Manipulieren“ (negativ konnotiert), sondern weil diese Werkzeuge im fotografischen und redaktionellen Alltag vieles vereinfachten und beschleunigten und es weiterhin tun.

Dies fängt bei einfachen Arbeiten wie Ausrichtung und Zuschnitt des Bildausschnitts oder Beschriftung an. Es umfasst Änderungen wie solche an Farbgebung und Belichtung oder das gezielte Spiel mit Schärfe und Unschärfe. Bis heute ist etwa bei besagtem Photoshop das Weichzeichnen ein einfacher und dennoch wirksamer Schritt zur Motivoptimierung.

Selbst die meisten Änderungen an der „Realität“ des Bilds halten sich in den Grenzen, in denen sich Beauty-Industrie und Schönheitschirurgie bewegen – hier einige Fältchen weniger, dort etwas gefälligere Proportionen mehr. Wirklich „bösartige“ Manipulationen kommen, zumindest im professionellen Bereich, praktisch nicht vor, da strafbewehrt.

Mehr zum Thema:
Was ist Outlook?

Allerdings kann wohl jeder, der schon mit solchen Programmen gearbeitet hat, folgendes bestätigen: a) es kann dauern, bis man sich in die teils extreme Funktionsvielfalt eingearbeitet hat. Und b) können selbst einfache Bearbeitung teils viel Zeit verschlingen – selbst wenn sich bei vielen Softwares einiges via Stapelverarbeitung und ähnlichen Funktionen automatisieren lässt.

Stellt sich deshalb die Frage, was die manuelle Bildbearbeitung am Computer heute ins Feld führen kann.

Vorteile manuelle Bildbearbeitung:

+        Alles kann in Grad und Umfang durch den Bediener bestimmt werden.

+        Insbesondere mit leistungsfähigen Programmen und Bedienungsroutine sind extrem realistische bzw. hochwertige Bearbeitungen möglich.

+        Es gibt keine Limitierungen jenseits des Funktionsumfangs des Programms. Das sorgt für eine enorme künstlerische Freiheit und darüber:

+        Ein persönlicher Touch. Er kann entweder dem des Bearbeitenden entsprechen oder beispielsweise der Vorgabe des Auftraggebers. Zudem ist jedes Motiv dadurch einzigartig.

+        Die Bearbeitung kann nur einzelne Aspekte oder Abschnitte beinhalten, nicht immer nur das gesamte Bild.

+        Aufgrund der „menschlichen“ Bearbeitung sehen manuell editierte Bilder bis heute am natürlichsten aus.

+        Viele Programme funktionieren ohne dauerhafte Internetverbindung. Zudem bleiben die Motive in diesem Fall lokal gespeichert. Die Folge:

+        Es gibt keine offenen Fragen, wer alles auf die Motive Zugriff hat oder worauf welche Bearbeitungsschritte basieren. Die (Rechts-)Sicherheit ist dadurch sehr hoch.

Nachteile manuelle Bildbearbeitung:

        Es ist definitiv komplex und zeitraubend, manuelle Bildbearbeitungsprogramme umfassend kennenzulernen und sie entsprechend ihrer enormen Leistungsfähigkeit vollumfänglich nutzen zu können. Die gängigen „Platzhirsche“ benötigen mindestens mehrere Monate, um sich einem in der Bildbearbeitung völlig unerfahrenen User vollständig zu erschließen.

        Da, abgesehen von Stapelverarbeitungen, jeder Schritt händisch erfolgen muss, wird insbesondere bei umfangreichen Bearbeitungen die Zeitspanne sehr lang. Speziell, wenn mehrere Motive benötigt werden, kann das kritisch sein – und bei gebuchten Profis zudem recht teuer.

 

KI-Bildbearbeitung

 

Künstliche Intelligenz und Bilder sind nicht zwingend eine so junge Kombination, wie mancher annehmen mag. Strenggenommen war bereits AARON in den 1960ern ein Vorreiter in Sachen KI-Kunst.

Was jedoch die Bearbeitung von existierenden Motiven anbelangt, insbesondere solchen, die fotorealistisch sind, sprechen wir in der Tat von einer wirklich jungen Technik. Denn erst in den 2010ern wurde durch Deep Learning eine Möglichkeit gegeben, mit der eine KI entscheiden konnte, was an einem spezifischen Motiv „gut“ oder „schlecht“ war – und was dementsprechend bearbeitet werden musste.

Wirklich benutzbar wurden solche Techniken jedoch erst, als in den späten 2010ern die ersten für eine breite Masse konzipierten Text-to-Image-Systeme aufkamen. Erst das machte es leicht, durch die Eingabe von Prompts der KI einen Rahmen vorzugeben, was sie zu optimieren hatte.

Seitdem sind nur wenige Jahre vergangen. Allerdings Jahre, in denen KI-gestützte Bildbearbeitung einen wahren Quantensprung erlebte. Mittlerweile befinden wir uns an einem Punkt, in dem KI Leistungen erbringen, die bei der manuellen Bearbeitung lange Einarbeitung und teils mehrstündige Arbeit erfordern.

So bewirbt beispielsweise Google seine aktuelle Smartphone-Generationen damit, mehrere Fotos desselben Motivs mittels KI zu einem optimierten Bild zusammenzufassen oder störende Elemente sekundenschnell verschwinden zu lassen. Bloß: Genügen solche Fähigkeiten für einen Paradigmenwechsel?

Hinweis: Alle Informationen sind Stand Anfang 2024 – bei der derzeit rasanten Entwicklung kann sich hier in kürzesten Zeitraum vieles tun.

Mehr zum Thema:
Was ist Adobe InDesign? Erfahren Sie mehr über dieses Design-Tool.

Vorteile KI-Bildbearbeitung:

+        Geschwindigkeit. KI kann selbst komplexere Bildbearbeitungen in nur wenigen Sekunden erledigen. Das macht insbesondere die Arbeit mit größeren Fotomengen und vorhersehbaren Arbeitsschritten äußerst schnell und rational.

+        Die Präzision ist gerade bei einfacheren Edits wie dem allgemeinen optischen „Aufhübschen“ phänomenal und bei guten KI kaum mehr von manueller Bearbeitung zu unterscheiden.

+        Teilweise ist es möglich, die Bearbeitung eines bestehenden Bilds mit der KI-basierten Motivgenerierung zu kombinieren. Das eröffnet sehr breite gestalterische Möglichkeiten, für die zuvor verschiedene Spezialisten und Programme nötig gewesen wären.

+        Das Application Program Interface (API) verschiedener KI kann mithilfe nur weniger Code-Zeilen in andere Programme integriert werden. Das gestattet eine weitere Optimierung von Workflows.

+        Da KI besagter menschlicher Touch fehlt, kann sie zahllose Motive mit einem stets gleichbleibenden Stil bearbeiten. Dabei ist es zudem gleich, wie viele Bilder bearbeitet werden sollen, der (bedienerseitige) Aufwand ist stets gleich gering.

Nachteile KI-Bildbearbeitung:

        Selbst, wer beispielsweise das präzise Verfassen von Prompts präzise beherrscht, bekommt mitunter ungewollte Ergebnisse präsentiert, weil die KI sie falsch interpretiert oder mit falschen/ungenügenden Daten trainiert wurde.

        Aktuell fehlt es noch an KI, die Bilder mit derselben Perfektion bearbeiten, die ein erfahrener menschlicher Bediener erreichen kann. Allerhöchste Qualität ist also (noch) nicht möglich.

        Es fehlt meist an einem insbesondere im professionellen Einsatz gewünschten Eigenständigkeitsgrad. Jede KI wird deshalb einen bestimmten optischen Touch liefern, den zumindest Profis erkennen werden.

        KI-Bildbearbeitungswerkzeuge funktionieren grundsätzlich nur über Cloud Computing. Daher benötigen ihre Interfaces nicht nur eine dauerhafte Internetverbindung, sondern es müssen zwangsläufig Motive auf häufig intransparente externe Server transferiert werden.

Fazit

Manuelle und KI-Bildbearbeitung sind mittlerweile auf einem fast gleichhohen Level angekommen – aber nur fast. Heutige KI-Tools sind deshalb eine verlässliche Wahl, wo es um einfache und semi-komplexe Routinebearbeitungen geht. Insbesondere, wenn diese in großen Mengen und kurzer Zeit erfolgen sollen.

Dort, wo allerdings das letzte Quäntchen Qualität erforderlich ist, wo Zeit und Kosten nicht im Fokus liegen und mitunter Sicherheit wichtig ist, brillieren nach wie vor leistungsfähige manuelle Bildbearbeitungsprogramme.

FAQ

Was ist manuelle Bildbearbeitung?
Das sind alle Bildbearbeitungstechniken, bei denen die maßgeblichen Schritte in Art und Umfang durch menschliche Eingaben durchgeführt werden. Hierzu gehört auch das Bedienen von Bildbearbeitungsprogrammen mit Eingabegeräten.

Was ist KI-Bildbearbeitung?
Hier werden die Bearbeitungen durch eine künstliche Intelligenz durchgeführt. Der Mensch gibt nur einen Startbefehl und Rahmenbedingungen vor. Etwa „Bildrauschen reduzieren“, „Schönstes Motiv auswählen“ oder „Hintergrund stark weichzeichnen“. Alles Weitere erledigt die KI.

Kann man KI-Bildbearbeitung erkennen?
Ja, teilweise können das menschliche Experten mit bloßem Auge, teils gibt es dafür digitale Werkzeuge – darunter eigene KI.

Darf man KI-bearbeitete Bilder im professionellen Rahmen einsetzen?
Das kommt auf die Nutzungsbedingungen an. Da viele KI jedoch anhand von Fotos im Internet trainiert werden, gibt es darüber derzeit eine breite Diskussion, die über reine Bildbearbeitung hinausgeht.