Durch den Einsatz von Gamification (im Deutschen oft holprig als Spielisierung und Spielifikation übersetzt) lässt sich das Engagement von Kunden, Mitarbeitern oder Partnern nachhaltig fördern. Denn wer lässt sich nicht gerne mit digitalen Münzen oder Trophäen bei seinen täglichen Arbeitsaufgaben motivieren. Gamification eignet sich optimal, um komplexe Inhalte auf eine spielerische und verständliche Weise darzustellen. So können Anwender komplizierte Zusammenhänge schneller verstehen und das angeeignete Wissen anwenden und weiter vertiefen.

Gamification im Detail

Wenn Sie jemals ein Videospiel gespielt haben, dann sind Sie bereits mit Dutzenden von Spiel-Mechanismen vertraut. Wenn Sie beispielsweise in einem RP-Game ein Monster erledigen, werden Sie mit Erfahrungspunkten und besseren Waffen belohnt. Diese Mechaniken reichen in vielen Fällen oft aus, um den Anwender über Stunden hinweg zu motivieren, damit er diesen Tätigkeiten nachgeht. Hierbei handelt es sich um ein Engagement, das viele Manager und Unternehmenslenker auch in ihren Unternehmen gerne implementieren würden. Doch worauf genau bezeigt sich der Begriff Spezifizierung und wie kann man den angeborenen menschlichen Spieltrieb nutzen, um beispielsweise die Mitarbeiter zu motivieren oder benutzerfreundliche Anwendungen zu entwickeln?

Die vielen Facetten der Spielifizierung

Gamifizierung ist die Anwendung von spielerischen Mechaniken und Elementen in einem nicht-spielerischen Kontext, um beispielsweise die Produktivität zu fördern oder Motivation zu erhöhen. Im Gegensatz zu den sogenannten „Serious-Games“, die in erster Linie bei der Vermittlung von Lerninhalten oder Simulationen von realen Situationen zum Einsatz kommen, handelt es sich hierbei allerdings nicht um vollständige Spiele. Es werden lediglich spielerische Mechaniken und Elemente übernommen, angepasst und in den jeweiligen Kontext integriert. Zu den Spielmechanismen, die im Rahmen der Gamification eingesetzt werden, gehören zum Beispiel:

  1. Status: Anwender, die eine Aktivität oder Aufgabe zum Abschluss bringen, werden mit einer Verbesserung des eigenen Levels oder Ranks belohnt oder sie erhalten eine Belohnung in Form von Punkten oder Abzeichen. Ranglisten zeigen den aktuellen Status aller Teilnehmer an und spornen die Benutzer an, intensiver und motivierter zu arbeiten, um aufzusteigen.
  2. Teamarbeit: Benutzer werden in Teams aufgeteilt, um in gemeinsamer Kooperation an der Lösung diverser Probleme zu arbeiten. Die Ziele werden hier schneller erreicht, da die Arbeit in Teams einen motivierenden Effekt auf alle Teilnehmer hat.
  3. Aktives Lernen: Die Teilnehmer erhalten während des gesamten Prozesses Tipps angezeigt und müssen Quizfragen zu der jeweiligen Thematik beantworten.
  4. Belohnungen: Neben Abzeichen und Erfahrungspunkten können Anwender auch mit Gutscheinen, Rabatten oder Geschenkkarten belohnt werden. Damit wird die Motivation der Benutzer nachhaltig gesteigert und das Engagement auf einem hohen Niveau gehalten.
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Auch wenn der Begriff Gamification erst in den 2010er-Jahren popularisiert wurde, ist das zugrunde liegende Prinzip sehr alt und weit verbreitet. Spiele und spielähnliche Mechaniken werden schon seit Jahren zur Förderung der Bildung, Unterhaltung und zu einem besseren Engagement der Anwender eingesetzt. Ein bekanntes Beispiel hierfür sind Bonusprogramme in unterschiedlichen Formen, wie Flugmeilen bei der Nutzung bestimmter Services oder Fleißsternchen in der Schule.

Gamification im Business-Umfeld

In Unternehmen lässt sich Spielifizierung in einem breiten Spektrum an unterschiedlichen Einsatzbereichen, wie zum Beispiel einer internen App einem Smartphone einsetzen, in denen Benutzer zu bestimmten Aktivitäten oder Handlungen motiviert werden müssen. Gamification am Arbeitsplatz kann beispielsweise genutzt werden, um Mitarbeiter dazu zu bewegen, gewisse Praktiken zu befolgen, die von der Unternehmensführung als besonders wichtig identifiziert wurden. Damit lernen die Angestellten neue Fähigkeiten oder korrigieren schlechte Arbeitsgewohnheiten, ohne auf Sanktionen oder Disziplinarmaßnahmen zurückgreifen zu müssen. Aus diesem Grund wird in den letzten Jahren immer stärker versucht, Gamification-Elemente in Mitarbeiterschulungen und Fortbildungen zu integrieren. Hierbei werden dieselben Suchtmechanismen ausgenutzt, auf denen moderne Videospiele basieren, um die Motivation und Leistung der Mitarbeiter zu erhöhen. Die aktuellen Forschungsergebnisse deuten allerdings darauf hin, dass mit spielerischen Elementen nur diejenigen Ziele gefördert werden können, die von den Teilnehmern selbst als interessant und lernenswert betrachtet werden. Aus diesem Grund kann also auf Überzeugungs- und Informationsarbeit nicht verzichtet werden.

Bekannte Beispiele für Spielifizierung

Ein bekanntes Beispiel wie man durch den Einsatz von Gamification Mitarbeiter trotz schlechter Bezahlung und extrem monotoner Tätigkeiten motivieren kann, ist der US-Gigant Amazon. Der E-Commerce-Riese stellt seinen Mitarbeitern in einigen US-Fulfillment-Zentren ein breites Angebot an Spielen bereit, die ihre täglichen Arbeitsaufgaben in einen computergestützten Wettbewerb verwandeln. Demnach treten Logistikarbeiter in einem virtuellen Wettstreit gegeneinander an, indem sie beispielsweise Pakete oder Rennautos um die Wette bewegen. Den Fortschritt des Spiels können sie dabei auf dem Bildschirm ihrer Workstation in Echtzeit verfolgen. Die Sieger erhalten eine Belohnung in Form von virtueller Währung, die sie zum Kauf von Snacks in der Unternehmenskantine werden können. In deutschen Betrieben kommt Gamification in erster Linie in Form von Bonuspunkten und Toplisten für den Arbeitserfolg zum Einsatz. Eine solche Leistungskontrolle in Verbindung mit Bonussystemen ist mitbestimmungspflichtig und muss von dem Betriebsrat befürwortet werden. Darüber hinaus erfordert ein derartiges System die Speicherung und Verwaltung von personenbezogenen Daten, die zu Konflikten mit der Datenschutz-Grundverordnung und anderen Regelungen führen können.

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Wie es so oft bei neuen Technologien ist, ist Gamification an sich nicht generell schlecht oder gut. Es hängt in erster Linie davon ab, wie und in welchem Kontext Spielifizierung eingesetzt wird.

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