Als die beiden deutschen Softwareentwickler Martin und Dietmar Maurer im Frühjahr 2008 die Open SourceVirtualisierungssoftware Proxmox VE erstmals der breiten Öffentlichkeit vorstellten, hatte niemand wirklich damit gerechnet, dass sich die Virtualisierungsplattform in den nächsten 12 Jahren zu einer der meistgenutzten Virtualisierungslösungen im Linux-Segment entwickeln würde. Aktuellen Informationen zufolge werden weltweit mehr als 150.000 Server-Hosts in mehr als 150 Ländern mit Proxmox betrieben.

Allgemeine Informationen zu Proxmox

Ein Umstand, der zum Erfolg der Virtualisierungsplattform maßgeblich beigetragen hat, spiegelt sich in der Tatsache wider, dass Proxmox die Option bereitstellt, zwei unterschiedliche Virtualisierungslösungen gleichzeitig zu betreiben, und zwar:

–       virtuelle Linux Container (LXC)

–       kernelbasierte Virtual Machine (KVM)

Der virtuelle Linux Container ist eine performante und ressourcenschonende Container-Virtualisierung. Bei den KVMs handelt es sich um ein Kernel-Modul auf Linux-Basis, das direkt auf der Hardware als Hypervisor ausgeführt wird und bei der Virtualisierung von Hardware eingesetzt wird. Mit den KVMs lässt sich eine Vielzahl verschiedener Vserver (virtueller Server) erstellen, wobei alle aktuellen Betriebssysteme wie Windows, Linux und verschiedene BSD-Derivate unterstützt werden. Der Linux-Kernel wird im Rahmen der Virtualisierung selbst zum Hypervisor befördert, wodurch der Overhead auf einem Minimum gehalten wird. Die kernelbasierte Virtual Machine gehört außerdem zu einem der am besten gewarteten Open Source-Systeme im Linux-Bereich. Bugs und Probleme werden dank der gigantischen Open Source-Community schnell erkannt und behoben.

Einfache und schnelle Verwaltung von Proxmox

LXC und KVM decken unterschiedliche Einsatzbereiche ab. So virtualisiert KVM beispielsweise im Gegensatz zu LXC mit virtuellen Maschinen und nicht auf Betriebssystem-Ebene. Aus diesem Grund ist LXC viel flexibler und bietet die Möglichkeit, Applikationen und Nutzer Stacks in kürzester Zeit in Betreib zu nehmen sowie einzelne Prozesse und gesamte Prozessgruppen voneinander zu isolieren. Auf diese Weise lassen sich mehrere Linux-Systeme parallel auf einem Host-Betriebssystem betreiben, die voneinander getrennt und abgeschottet sind. Dadurch lässt die Hardware des Hostsystems wesentlich besser auslasten. Ähnlich wie die Konkurrenzprodukte Docker, VMware und Hyper-V ist LXC gleichermaßen gut bei der Virtualisierung einzelner Anwendungen einsetzbar.

Proxmox bot bis zu der Version 3.4 ausschließlich Unterstützung für OpenVZ als Container-Technologie. LXC kam erst mit der Version 4.0 hinzu. Gründe hierfür waren u. a. die bessere Unterstützung für Storage-Devices und ein optimiertes Storage-System für Linux-Container. So können Anwender zum Beispiel mit LXC ZFS Sub-Volumes nutzen, was sich mit OpenVZ nicht realisieren lässt. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die Netzwerk-Konfiguration bei Linux-Containern viel flexibler ist.

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Ein dedizierter Server für das Management der Cluster, Virtual Machines oder der Container ist nicht notwendig. Jeder Proxmox-Host ist mit einem eigenen Webinterface ausgestattet, mit dem sich der gesamte Cluster von jedem Knoten aus schnell und unkompliziert verwalten lässt. Durch den Einsatz eines verteilten Dateisystems (Proxmox Cluster File System), können die Konfigurationsdateien auf alle Nodes (Hosts) im Cluster automatisch verteilt werden. Auf diese Weise wird für konsistente Verwaltungsinformationen auf mehreren Tausenden virtueller Maschinen gesorgt.

Virtualisierungsplattform für Linux-Enthusiasten

Promox bietet neben dem intuitiven Web-Interface auch eine API für Administratoren und Entwickler, sodass wiederkehrende Tasks ohne großen Aufwand per Skript automatisiert werden können. Clients stehen für folgende Programmier- bzw. Skriptsprachen zur Verfügung:

–       Python

–       Java

–       JavaScript (NodeJS)

–       PHP

–       Perl

Da sich die Virtualisierungsplattform mit den entsprechenden Programmier-Kenntnissen individuell an die eigenen Bedürfnisse der Nutzer anpassen lässt, wird ein äußerst flexibles Agieren ermöglicht.

Proxmox VE nutzt als Basis die Linux-Distribution Debian, sodass Anwender auf alle Funktionalitäten des Betriebssystems zugreifen können. Nutzer können grundsätzlich auch alle Pakete, die für das beliebte Debian entwickelt wurden, unter Proxmox installieren. Die Virtualisierungsplattform ist somit optimal an die Anforderungen von Administratoren zugeschnitten, die bereits über Linux-Erfahrungen verfügen. Proxmox ermöglicht ein ebenso interaktives Arbeiten wie mit Debian. Dank der riesigen Community steht außerdem viel Know-how zur Verfügung, sodass für viele Probleme, mit denen Anwender konfrontiert werden können, bereits eine Lösung existiert.

Hohe Verfügbarkeit von Proxmox

Da Debian als extrem sicher und stabil gilt, trägt es in wesentlichem Maße zu der Zuverlässigkeit der Virtualisierungssoftware bei. Die Proxmox Server Solutions GmbH ist der Verwalter des Projekts und ist direkt dafür zuständig, die Virtualisierungsplattform regelmäßig zu aktualisieren und sie dabei auch an neue Debian-Versionen anzupassen. Die Virtualisierungsplattform kann ebenfalls mit einer hohen Verfügbarkeit punkten. Der Proxmox VE HA Manager ist dafür zuständig, alle Knoten im Cluster kontinuierlich zu überwachen. Sobald einer dieser Knoten ausfällt, wird der Proxmox VE HA Manager aktiviert. Diese Funktionalität ist bereits bei der Standardinstallation von Proxmox VE bereits vorinstalliert, weswegen Anwender die Funktion lediglich an die eigenen Anforderungen und Bedürfnissen anpassen müssen.

Vielseitige Speichertypen für Proxmox

Proxmox VE ist extrem flexibel in Bezug auf den Speicher. Die Virtualisierungsplattform ist mit verschiedenen lokalen Speicher- und Netzwerkspeicher-Modulen versehen, was ebenfalls Debian zu verdanken ist. Alle Speichertypen, die von der Linux-Distribution unterstützt werden, können im Rahmen von Proxmox genutzt werden. Hierzu gehören:

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–       Ceph

–       NFS

–       ISCSI

–       FibreChannnel

–       ZFS

Mithilfe der Shared Storage-Funktionalität lassen sich Abbilder der Vserver im lokalen Netzwerk ablegen. Die Virtualisierungsplattform ist außerdem mit einer Funktion zur Live-Migration versehen, sodass sich die erstellten Vserver ohne Ausfallzeit migrieren lassen.

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