SuSE ist eine der ältesten Linux-Distributionen und hat seinen Ursprung in Deutschland. Bereits 1994 wurde die Gesellschaft für Software und Systementwicklung in Nürnberg gegründet. Zur damaligen Zeit war das 1991 von Linus Torvalds entwickelte Linux, welches seit 1992 unter der GNU GPL-Lizenz frei verfügbar ist, noch ein Exot unter den Betriebssystemen. Inzwischen gibt es unzählige Distributionen und SuSE ist eine der etabliertesten von ihnen.

Ein paar Daten zur Historie

Zunächst vertrieb SuSE eine modifizierte und ins Deutsche übersetzte Version von Slackware-Linux. Die erste eigene Distribution wurde 1996 veröffentlicht. Dabei verfolgte SuSE von Anfang an das Konzept, das eigentlich kostenlos verfügbare Linux speziell für Firmen anzupassen und dann kostenpflichtig mit entsprechendem Support anzubieten. Parallel wurde eine günstigere Variante für Privatkunden auf den Markt gebracht. In den folgenden Jahren gab es mehrere Wechsel in den Besitzverhältnissen. 2003 wurde SuSE durch Novell, den Spezialisten für Netzwerkbetriebssysteme, übernommen, 2014 durch die Micro Focus Group.

Die kostenlose Variante openSuSE

Für Privatanwender gibt es das inzwischen kostenfreie openSuSE-Linux. Hiervon profitieren Anwender wie Entwickler gleichermaßen. Als privater Nutzer kommt man gratis in den Genuss eines ausgereiften und permanent weiterentwickelten Betriebssystems. Die Entwickler wiederum nutzen die Arbeit und die Erfahrungen der openSuSE-Community, die beispielsweise Video-Codecs und Grafikkartentreiber zur Verfügung stellt. Außerdem werden durch die größere Anzahl an Nutzern schneller Fehler gemeldet und können zeitnah behoben werden. Bemerkenswert ist, dass auch die freie Version über das mächtige Systemkonfigurationstool YaST verfügt. Hiermit können unter anderem komfortabel Hardwarekomponenten und Softwarepakete installiert werden. Die aktuellste Version von openSuSE trägt die Versionsnummer 15.1 und die Zusatzbezeichnung Leap.

SuSE Linux Enterprise Desktop für Firmen

Die kommerzielle Version für den Desktop-PC ist zur Nutzung durch gewerbliche Nutzer vorgesehen. Sie bietet eine gute Kompatibilität zu Netzwerkkomponenten, wie Microsofts Active Directory und Exchange. Ebenso zu Produkten von Novell und anderen Anbietern. Besonderer Schwerpunkt ist der persönliche Support der Anwender, der in verschiedenen Ausführungen gebucht werden kann. Zur lokalen Administration ist der SuSE Manager vorgesehen, der beispielsweise das zentrale Ausrollen von Updates und die Konfiguration der Clients erlaubt. Die neueste Enterprise-Version für den Desktop hat die Versionsnummer 15.

SuSE Linux Enterprise Server

Die Server-Variante der Distribution ist das Spitzenprodukt und Schwerpunkt des Unternehmens. Sie wird für unterschiedliche Plattformen angeboten und trägt aktuell ebenfalls die Versionsnummer 15. SLES,so die Abkürzung, ist sowohl für die Architektur x86-64 als auch für ARM-Prozessoren verwendbar. Zudem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit IBM, die eine Abstimmung von Hard- und Software der beiden Unternehmen erlaubt. Als Folge daraus eignet sich SLES für einen Betrieb auf deren Architektur IBM Power. Es gibt eine Ausführung für den IBM-Cloudserver LinuxONE und den IBM-Großrechner zSystems. Auch mit dem deutschen Server-Softwarehersteller SAP gibt es eine Zusammenarbeit. Dadurch ist eine spezielle Ausführung von SLES verfügbar, auf der SAP-Produkte eingesetzt werden können. Sogar eine Version für den Einsatz auf einem Raspberry PI ist verfügbar.

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SuSE Enterprise Workstation und SuSE Embedded

Es werden noch zwei weitere Produkte von SuSE angeboten. Eine Version zum Einsatz für Embedded-Geräte und eine Server-Erweiterung, die für einen Einsatz auf Workstations optimiert ist.

Stärken von SuSE

Herausragendes Merkmal ist das bereits erwähnte Konfigurationswerkzeug YaST, dessen Name eine Abkürzung für Yet another Setup Tool ist. Was heute in vielen Distributionen eine Selbstverständlichkeit ist, war in den Anfangsjahren von Linux ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Während Programme in anderen Linux-Ausführungen zumeist mithilfe der Kommandozeile kompiliert werden mussten und kompatible Treiber für Hardware oft nur nach mühsamer Recherche aufgetan werden konnte, bot YaST hierfür eine grafische Oberfläche. YaST wurde permanent weiterentwickelt und ist fungiert inzwischen als zentrale Systemverwaltung für Hard- und Software sowie Einstellungen aller Art.

Vorteilhaft für Anwender im deutschsprachigen Raum ist es, dass das Unternehmen  wieder in Nürnberg seinen Hauptsitz hat. Dadurch ist eine Anpassung auf lokale Bedürfnisse besser gewährleistet. Auch die Verbindung mit  Anbietern bringt Vorteile für den Support. Immer wenn mehrere voneinander unabhängige Unternehmen beteiligt sind, kann es  zu Problemen führen, wenn die Schnittstellen von beiden für Fehler verantwortlich sein könnten.

Mögliche Nachteile

Grundsätzlich hat Linux, gerade bei den Endanwendern im gewerblichen Bereich, nicht den Status und die Akzeptanz von Microsoft Windows oder Apple OSX. Hier kann zusätzlicher Schulungsaufwand oder auch nur Überzeugungsarbeit notwendig sein. Praktische Probleme treten erfahrungsgemäß dann auf, wenn verbreitete Dateiformate nicht verarbeitet werden können. Dies bedeutet zusätzlichen Aufwand, wenn es zwingend notwendig ist auf Software wie Microsoft Office zuzugreifen oder damit erstellte Dateien zu öffnen. Auch ist die Auswahl an Software für Linux-Betriebssysteme immer noch geringer.

Verbreitung

Innerhalb der Linux-Distributionen gehört SuSE laut Distrowatch.com seit Jahren konstant zu den zehn verbreitetsten Distributionen. Insgesamt hat Linux unter den Betriebssystemen allerdings weltweit eine Verbreitung von unter zwei Prozent im Bereich der Desktop-PC. Im Server-Bereich ist SuSE insbesondere im deutschsprachigen Raum häufig anzutreffen und wird auch von zahlreichen Hostern standardmäßig angeboten.

Daniel Faust

Redakteur bei Biteno GmbH
Daniel Faust ist Redakteur im Content-Team der Biteno und betreut den Blog der Biteno GmbH.

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