Mit MS-DOS (Abkürzung für Microsoft Disk Operating System) haben IBM und Microsoft gemeinsam die Basis für das erste Betriebssystem gelegt, das von Millionen von Nutzern weltweit genutzt wurde. Als das erste Betriebssystem, das nicht vorrangig auf große Business-Mainframes und Supercomputer ausgelegt, sondern in erster Linie für den Einsatz an PCs (Personal Computer) vorgesehen war, machte DOS (Disk Operating System) Heimcomputer über Datenspeicherung und Datenlesung auf Disketten arbeitsfähig. Das Betriebssystem wurde über einen textbasierten Befehlssatz gesteuert, wobei MS-DOS nicht gerade mit seiner Benutzerfreundlichkeit punktete, sondern primär dank seiner Effizienz und breiten Funktionsvielfalt überzeugen konnte.

Entwicklungsgeschichte

Anfang der 1970er Jahre waren Heimcomputer sehr kompliziert zu bedienen und richteten sich vorwiegend an etwas experimentierfreudigere Nutzer. Intel stellte 1978 einen neuen 8088-Prozessor der breiten Öffentlichkeit vor, der dank einer neuen 16-Bit-Architektur den Heimcomputer-Bereich revolutionieren sollte. Der neue Prozessor war zwar nicht mit seinem Vorgänger kompatibel, er öffnete jedoch mit seinem 1 Megabyte großen Speicher das Tor in die Welt des 16-Bit-Computings. IBM, der zu dieser Zeit ein wahrer IT-Gigant im Bereich der Großrechenanlagen und Mainframes war, wollte unbedingt in den Bereich des Heimcomputers vordringen. Um den PC-Markt für sich zu gewinnen, entwickelte IBM einen Personal Computer auf Basis des 8088-Prozessors von Intel. IBM setzte bei seinen Großrechnern bereits seit Jahren das CP/M-Betriebssystem ein.

Da CP/M primär für den Einsatz in professionellen Umgebungen vorgesehen war, mussten Benutzer eine umfangreiche Schulung absolvieren, um da Betriebssystem nutzen zu können. Für den Heimbereich war CP/M einfach zu komplex, sodass sich IBM auf die Suche nach einer alternativen Lösung begab. Als der Microsoft-Gründer, Bill Gates, erfuhr, dass IBM ein alternatives Betriebssystem für seine neuen PCs suchte, kaufte er die Rechte an dem Betriebssystem QDOS (Quick and Dirty Operating System) von einer kleinen Software-Schmiede ab. Microsoft passte das Betriebssystem nach Vorgaben von IBM an, sodass das System als PC-DOS 1.0 im IBM PC zum Einsatz kam. Das PC-DOS war von seiner Architektur und seiner Funktionsvielfalt her stark an UNIX angelegt, es war jedoch sehr instabil und hatte zahlreiche Fehler. Microsoft musste das Betriebssystem komplett neu programmieren, sodass es später als PC-DOS 2.0 auf den Markt kam.

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Da IBM für PC-DOS keine exklusive Lizenz besaß, konnte Microsoft das Betriebssystem frei zum Verkauf anbieten. So entstand unter dem Namen MS-DOS das beliebteste Betriebssystem der frühen 1980er Jahre. Bereits im Jahr 1982 hatten rund 60 Unternehmen eine Lizenzvereinbarung mit Microsoft. Im Laufe der Zeit entwickelte sich MS-DOS zu dem populärsten Betriebssystem für Personal Computer und mit der Zeit wurde auch der Wunsch nach einer grafischen Benutzeroberfläche immer stärker. Microsoft investierte sehr viele Ressourcen in die Entwicklung einer Bedienoberfläche und stellte so im Jahr 1985 Windows 1.0 der breiten Öffentlichkeit vor. Nutzer musste keine umständlichen Befehle per Kommandozeile eingeben, sondern konnten einfach per Maussteuerung auf ein Icon klicken.

Funktionsweise und Ausblick

Ein Disk Operating System bearbeitet Befehlsfolgen und Informationen über sogenannte Stapelverarbeitungsdateien und ist daher in der Lage, Daten intern zu verarbeiten. Sobald der Computer gestartet wird, verarbeitet DOS den Prozess in einer autoexec.bat-Datei, die den kompletten Startvorgang prüft. Falls der Startvorgang erfolgreich war, wird dem Nutzer eine Kommandozeile angezeigt. Über diese werden die Befehle per Tastatur eingegeben. Dabei sind viele wichtige Befehle, wie beispielsweise CD, DIR oder MKDIR bereits im MS-DOS enthalten. MS-DOS wurde bis Mitte der 1990er Jahre von Microsoft aktiv weiterentwickelt. Der Marktstart von Windows 95 läutete allerdings das Ende des DOS-Zeitalters ein, sodass das Disk Operating System im Laufe der Zeit immer stärker an Bedeutung verlor. Nichtsdestotrotz bieten noch heute alle aktuellen Windows-Versionen Unterstützung für MS-DOS, das jedoch in erster Linie von Entwicklern und Powerusern für spezielle Einsatzzwecke genutzt wird. Wenn man alte MS-DOS-Programme und Spiele auf aktuellen PCs betreiben möchte, sollte man lieber zu einem Emulator greifen, der die PC-Architektur der damaligen Zeit nachstellt.

Abwandlungen und alternative Betriebssysteme auf DOS und MS-DOS-Basis

Neben den im obigen Absatz erwähnten DOS bzw. MS-DOS gab es noch eine Vielzahl weiterer bekannter Disk Operating Systeme, die auf unterschiedlichen Plattformen zum Einsatz kamen:

  1. DOS für Atari-Computer: Das Besondere an dem Disk Operating System für Atari-Computer war der speicherresidente Kernel, der ab der Version 2.0 eingeführt wurde und dem Betresstem eine bessere Performance bescherte.
  2. DOS für Amiga-Computer: Dieses Disk Operating System war mit einer Reihe äußerst innovativer Funktionalitäten versehen. Neben einer innovativen Microkernel-Architektur bot Amiga-DOS die Möglichkeit, benötigte Treiber separat nachzuladen. Dieser Ansatz findet heute in allen modernen Betriebssystemen Verwendung.
  3. DOS für Commodore-Computer: Das Besondere an dem Disk Operating System von Commodore war, dass das Betriebssystem nicht auf einer Festplatte, sondern auf einer Diskette implementiert war. Aus diesem Grund ist das Commodore-DOS vielmehr eine Firmware als ein eigenständiges Betriebssystem.
  4. DOS für Apple-Computer: Bei den ersten PCs von Apple konnten Daten nur auf Audiokassetten gespeichert werden. Im Jahr 1978 integrierte der IT-Gigant in seinen Apple-II-Computer DOS, das später mit einer grafischen Benutzeroberfläche versehen und ab 1984 als das heute bekannte macOS vermarktet wird.
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Heute spielt MS-DOS vor allem auf Windows-Servern bzw. PCs mit MS-Windows nur noch einen untergeordnete Rolle. Viele Funktionen und Befehle von MS-DOS lassen sich heute auf Windows-PCs besser in der so genannten Powershell abbilden. Trotzdem können fast alle Befehle von MS-DOS auch heute noch auf Windows-Rechnern in der Befehlszeile (cmd) verwendet werden.

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