IP-Telefonie im Büro

IP-Telefonie – was Sie darüber wissen sollten

Telefonieren über das Internet entwickelt sich nach und nach zur vorherrschenden Telefontechnologie. Auch die großen Telefonanbieter stellen ihre analogen Systeme Zug um Zug darauf um, sodass Sie früher oder später damit zu tun bekommen. Ob Sie bisher über einen normalen Anschluss oder über ISDN telefoniert haben, spielt dabei keine Rolle. Beide Systeme werden auf lange Sicht der IP-Telefonie zum Opfer fallen. Trotzdem können Sie Ihre alte Telefonanlage auch nach der Umstellung weiter benutzen. Wie das geht – und vieles andere zum Thema Telefonieren über das Internet – lesen Sie hier.

IP-Telefonie – eine Begriffsbestimmung

Im Grunde ist es ganz einfach: IP-Telefonie – auch Voice-over-IP (VoIP) genannt – beschreibt ein Verfahren, um im Internet über das TCP/IP-Protokoll zu telefonieren. Statt über ein eigenständiges Telefonleitungsnetz erfolgt die Signalübertragung über die Infrastruktur des Internets, so wie das auch mit den übrigen Daten geschieht.

Um IP-Telefonie zu nutzen, ist ein Breitband-Internetanschluss erforderlich. Für jeden Sprachkanal sind rund 100 K/bits erforderlich, zum Senden und zum Empfangen also zusammen 200 Kbit/s. Eine spezielle Hardware ist nicht unbedingt erforderlich. In den meisten Fällen können Sie Ihre vorhandenen Geräte weiterhin nutzen.

So funktioniert VoIP

Der Unterschied zur herkömmlichen Telefonie beginnt schon ganz am Beginn der Signalkette, nämlich an Ihrer TAE-Telefonsteckdose: Sie wird nicht mehr benötigt. Stattdessen wird das Telefon mit dem DSL-Router oder einem Kabelmodem verbunden, das VoIP-tauglich ist.

Die Signalübertragung unterscheidet sich grundsätzlich von herkömmlicher Telefontechnik. Bei der klassischen Telefonie – auch bei ISDN – entsteht eine Telefonverbindung, indem zwischen den beiden Gesprächspartnern eine feste Leitung reserviert wird. IP-Telefonie geht anders vor. Die Sprache wird in Datenpakete aufgeteilt, unabhängig voneinander über das Netz verschickt und am Zielort wieder richtig zusammengesetzt – genau so, wie das im Internet auch mit den übrigen Daten geschieht.

Wie beim herkömmlichen Telefon erfolgt auch bei der IP-Telefonie ein Telefongespräch in drei Phasen: Verbindungsaufbau, Signalübertragung, Verbindungsaufbau.

Für den Verbindungsaufbau von Telefongesprächen über das Internet gibt es das Session-Initiation-Protocol (SIP). Dieses Protokoll kümmert sich um die systemübergreifende Integration aller am Telefongespräch beteiligten Komponenten, unabhängig davon, von welchem Hersteller sie stammen. Dem Protokoll entsprechend verfügt jeder Teilnehmer über eine eigene SIP-Adresse. Sie gleicht in etwa einer E-Mail-Adresse, beispielsweise so: sip:info@beispiel.de.

Damit IP-Telefonie möglich wird, müssen sich alle Teilnehmer bei einem Registrar-Server anmelden. Erfolgt die Umstellung auf VoIP durch Ihren Telefonanbieter, erledigt er das für Sie. Diese neue Form der Telefon-Netzarchitektur hat einen erheblichen Vorteil gegenüber herkömmlicher Festnetztelefonie: Sie ist nicht an einen festen Standort gebunden. Sie haben sozusagen einen mobilen Festnetzanschluss, da Sie sich über jedes SIP-Endgerät anmelden und Ihre Telefondienste nutzen können, unabhängig davon, wo Sie sich befinden. Das funktioniert natürlich nur, wenn Ihr Telefonanbieter das zulässt oder Sie Ihren IP-Telefonanschluss über einen unabhängigen VoIP-Anbieter eingerichtet haben.

Was brauchen Sie für die IP-Telefonie?

Es sind nur drei Elemente, die für VoIP erforderlich sind:

  • Internetanschluss
  • VoIP-fähige Hardware
  • VoIP-Anbieter
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Wie bereits erwähnt, ist beim Internetanschluss ausreichend Bandbreite erforderlich, um die gleichzeitige Datenübertragung auf zwei Sprachkanälen zu ermöglichen. Die Hardware muss nicht unbedingt bei Ihnen vorhanden sein. Es gibt Möglichkeiten, über das Netz entfernte Hardware zu nutzen oder die Hardware durch entsprechende Softwarelösungen zu emulieren. Grundsätzlich gibt es vier Möglichkeiten, IP-Telefonie zu betreiben:

Variante eins: der Computer

Ist Ihr Desktop-Computer oder Ihr Notebook per Breitband mit dem Internet verbunden, benötigen Sie nur noch ein spezielles Programm, um Ihren Rechner fit für das Telefonieren zu machen. Die Telefon-App, auch Softphone genannt, ist sogar kostenlos erhältlich, wie beispielsweise das sehr beliebte Zoiper. Natürlich braucht der Computer auch ein Mikrofon und einen Lautsprecher. Im Interesse der Sprachqualität wäre allerdings ein USB-Headset anzuraten. Headsets sind in großer Auswahl und zu günstigen Preisen überall im Internet und in der materiellen Welt erhältlich.

Variante zwei: analoge Telefone

Es ist nicht erforderlich, beim Wechsel auf VoIP die alten Telefongeräte oder die bisher verwendete Telefonanlage wegzuwerfen. Sämtliche Telefone sind weiter verwendbar, auch Ihre ISDN-Geräte. Alles, was Sie brauchen, ist ein Adapter, um Ihr Telefon an den DSL-Router anzuschließen. Seine Aufgabe ist es, die analogen Signale in Internet-konforme Datenpakete umzuwandeln und auf den Weg zu schicken. Erfolgt die Umstellung durch den Telefonanbieter, wird er Ihnen in der Regel einen entsprechend ausgerüsteten Router zur Verfügung stellen, in den der Adapter bereits integriert ist.

Variante drei: IP-Telefone

Spezielle Geräte, die sich ausschließlich für IP-Telefonie eignen, gibt es in zunehmender Anzahl und von zahlreichen Herstellern. IP-Telefone wandeln nicht analoge Signale um, sondern erzeugen von Beginn an digitale Datenpakete für den Versand über das Internet. Der Anschluss erfolgt über einen LAN-Port der Routers.

Variante vier: Smartphone

Durch die Installation einer VoIP-App machen Sie Ihr Smartphone zu einem vollwertigen IP-Telefon. Das ist die ideale Lösung, wenn Sie über keinen Festnetzanschluss verfügen oder in Zukunft darauf verzichten wollen.

IP-Telefonie: pro und kontra

Wie die meisten Dinge hat auch VoIP Vorteile und Nachteile. Die nachfolgende Auflistung bewertet das Thema aus der Sicht von IP-Telefonie, die über spezielle VoIP-Anbieter betrieben wird. Erfolgt die Umstellung durch Ihren bisherigen analogen Anbieter oder verwenden Sie weiterhin vorhandene analoge Geräte, könnte der eine oder andere Punkt nicht zutreffen.

Vorteile der IP-Telefonie

VoIP verursacht in der Regel geringere Kosten als herkömmliches Telefonieren. Das Gesamtangebot der Leistungen Internet und Telefon über ein gemeinsames Netz führt meist die interessanten Paketangebote, die spürbar günstiger sind als die Einzelbuchung der beiden Dienste.

Auch auf der Hardwareseite kann es zu deutlichen Kosteneinsparungen kommen. Wenn Sie Ihre aufwendige ISDN-Telefonanlage gegen eine IP-basierte Cloud-Telefonanlage tauschen, fallen alle gerätebezogenen Kosten weg, beispielsweise Instandhaltung, Wartung und die erforderlichen Updates.

Besonders vorteilhaft ist die Ortsunabhängigkeit bei der IP-Telefonie. Da kein realer Telefonanschluss vorhanden sein muss, können Sie mit Ihrem IP-Telefon und der entsprechenden Software von jedem Internetanschluss auf der ganzen Welt aus telefonieren und dort auch erreichbar sein. Haben Sie Ihr Smartphone mit einer App zum IP-Telefon aufgerüstet, sind Sie darauf nicht nur über Ihre Handynummer, sondern auch unter Ihrer Festnetznummer erreichbar – zum Festnetztarif wohlgemerkt.

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Angenehm bei der IP-Telefonie ist die einfache Einrichtung. Dinge wie NTBAs, TAEs oder Splitter können Sie getrost vergessen. Alles, was Sie benötigen, ist der Router, den Sie für Ihre Internetverbindung ohnehin schon haben. Die Konfiguration des Telefons, einschließlich Umleitungen, Sperrungen, Rufnummergruppen und vieles andere lässt sich bei vielen VoIP-Anbietern über eine komfortable Benutzeroberfläche direkt im Internetbrowser abwickeln.

VoIP erlaubt die Nutzung von HD-Technologie, um Telefongespräche in hoher Tonqualität zu ermöglichen. Dazu ist allerdings die zugehörige Hardwareausstattung bei den IP-Telefonen oder eine entsprechende Software – beispielsweise bei Smartphones – erforderlich.

Die Anzahl simultaner Gespräche ist erheblich höher als über die zwei Kanäle, auf die ISDN beschränkt war. Theoretisch sind beliebig viele Gespräche gleichzeitig möglich. Ihre Zahl ist nur von der Qualität und Bandbreite der Internetverbindung und von der Zahl der verfügbaren Telefonnummern abhängig.

Nachteile der IP-Telefonie

Nichts geht ohne Internetverbindung. War beim analogen Telefon der Betrieb auch noch möglich, wenn die Internetverbindung abriss, ist das bei der IP-Telefonie nicht mehr der Fall. Steht die Internetverbindung nicht zur Verfügung, ist auch das Telefon tot.

Auch Bandbreitenschwankungen haben Einfluss auf VoIP. Steht wegen hoher Inanspruchnahme im Netz nur wenig Bandbreite zur Verfügung, leidet die Sprachqualität.

Auch ein Stromausfall macht der IP-Telefonie den Garaus. Verfügten analoge Telefone noch über eine eigene Stromversorgung, die das Telefonieren auch ermöglichte, wenn sonst nichts mehr ging, ist VoIP nur bei intakter Stromversorgung möglich, denn davon ist der Betrieb des Routers abhängig.

IP-Telefonie erfordert Passwortschutz. Da der Telefonbetrieb nicht wie beim analogen Telefon über ein proprietäres Netz verläuft, sondern im Internet stattfindet, ist er von Hackern bedroht. Daher ist der sorgfältige Schutz durch ein sicheres Passwort unabdingbar

IP-Telefonie wird zukünftig die führende Telefontechnologie darstellen, möglicherweise auf längere Sicht die einzige. Neben den immensen Vorteilen der Variabilität, Leistungsvielfalt und Ortsunabhängigkeit sind auch Nachteile wie die Abhängigkeit vom Netzzugang, von der Stromversorgung und die Angreifbarkeit durch Hacker damit verbunden. Global gesehen scheinen allerdings die Vorteile zu überwiegen.

Janina Winkler

Technische Redakteurin bei Awantego
Janina Winkler ist Redakteurin für technische Themen im Blog der Biteno.com. Wenn Sie nicht gerade reist und unterwegs ist, beschäftigt Sie sich mit der automatisierten Erstellung von Content aufsemantischer Basis bei der Digital-Agentur Awantego.

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