Jitsi ist ein ganzer Softwarestack, also eine Sammlung von Programmen, die der Kommunikation mittels Text, Audio und Video dienen.

Ursprünglich war das Internet nicht für Übertragung von Signalen in Echtzeit vorgesehen, wie das für Video- und Audiosignale erforderlich ist. Mit der Jahrtausendwende war die Übertragungskapazität jedoch soweit angewachsen, dass auch solche Kommunikation über das Internet möglich wurde. Jitsi ist freie Software, die diese Anwendungen für die Verwendung in Ihrem Unternehmen implementiert. Die bekannteste Anwendung besteht aus der Abhaltung von Videokonferenzen.

Hintergrund und Entstehung von Jitsi

Erste Anfänge des Projekts gehen auf ein Studentenprojekt aus dem Jahr 2003 zurück. Zuerst bestand Jitsi aus einem Messenger in der Programmiersprache Java. Schritt für Schritt kamen dann Übertragungen von Audio- und Videosignalen hinzu. Eine wesentliche Rolle spielte dabei das Protokoll XMPP.

Mittlerweile ist Jitsi zu einer Sammlung von quelloffenen Programmen für Videokonferenzen und Videokommunikation angewachsen. Zur Verfügung stehen auch APIs, also Interfaces, die frei verwendet werden können. Mittels dieser APIs können Sie eine beliebige Anwendung durch Videoübertragung erweitern.

Zahlreiche Protokolle und Codecs werden von Jitsi unterstützt. Dazu zählen seit dem Beginn des Projekts SIP und XMPP. Für manche Standards steht die Entwicklung einer Einbindung noch aus.

Seit dem Jahr 2018 wird das Jitsi-Projekt von der Firma 8×8 Inc. in den USA weiterentwickelt. Seit seinem Start erlebte Jitsi ein kontinuierliches Wachstum, durch die Covid-Krise hat sich die Anzahl der Nutzer auf eine zweistelligen Millionenzahl erhöht.

Jitsi Meet

Jitsi Meet ist eine Webanwendung zur Organisation von Videokonferenzen auf der Basis des WebRTC-Standards. Geschrieben ist das Projekt in JavaScript. Es bildet einen Softwarestack, der von dem XMPP-Server Prosody verwaltet wird.

Die Jitsi Videobridge fungiert als Server, der mittels der Selective Forwarding Unit oder SFU ein Videosignal an die Teilnehmer weiterleitet. Dieses Protokoll zeichnet sich dadurch aus, dass es auf dem Server relativ wenig Rechenleistung erfordert.

Der Client für jeden Teilnehmer an einer Videoschaltung ist eine Webapplikation. Die von Jitsi implementierte technische Lösung kann für die Teilnehmer höhere Anforderungen an die verfügbare Bandbreite stellen.

Clients können an Videokonferenzen einfach mittels ihres Webbrowsers teilnehmen. Es ist also keine Installation von Software dafür notwendig. Das System ist unter allen gebräuchlichen Betriebssystemen für Desktops und mobile Geräte lauffähig.

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Jitsi Meet zeichnet sich auch dadurch aus, dass für seine Verwendung kein Benutzerkonto erforderlich ist. Es kann also auch anonym verwendet werden. Videoanrufe werden mit einer Ende-zu-Ende Verschlüsselung gesichert. Für Kommunikation von ganzen Gruppen wird die Verschlüsselung zwar auch eingesetzt, die Daten werden in der Jitsi Videobridge jedoch für die Verteilung entschlüsselt. Die Firma 8×8 betont jedoch, dass das nur aus technischen Gründen notwendig ist und die Videosignale unter keinen Umständen gespeichert werden.

Zu weiteren von Jitsi Meet gebotenen Funktionen gehören die Folgenden.

Moderatoren können nur bestimmte Teilnehmer zulassen, die sich mit Passwort legitimieren müssen.

Während der Videoübertragung können die Clients mittels einer Chat-Funktion Textnachrichten austauschen.

Der Bildschirm kann zwischen Teilnehmern geteilt werden. Teilnehmer sehen dann den Bildschirm eines bestimmten Clients in der Videoübertragung. Das ist besonders für Präsentationen von Vorteil und entspricht Standardfunktionen bei anderen Anbietern von Videokonferenzsoftware.

Für noch intensivere Zusammenarbeit können verschiedene Teilnehmer einer Videokonferenz gemeinsam ein Dokument bearbeiten. Um die ausgetauschten Informationen nicht zu verlieren, lässt sich eine Konferenz auch aufnehmen.

Jitsi Desktop

Wie der Name vermuten lässt, muss diese Software auf dem Computer eines Clients installiert werden. Jitsi Desktop bietet Kommunikation in Bild und Ton, die verschlüsselt wird. Ein Teilnehmer kann seinen Bildschirmdurch einen anderen freigeben. Jitsi Desktop wird nicht mehr von der Firma 8×8 betreut, aber von einer Gemeinschaft von Entwicklern weitergeführt.

Anwendungen von Jitsi

Schon vor der Covid-Krise hat sich ein Interesse an neuen Formen des Arbeitens eingestellt. Die Notwendigkeit der Bewältigung der Krise hat der Verwendung von Videokonferenzsoftware einen beträchtlichen Schub verschafft.

Wenn Reisen aus welchen Gründen auch immer nicht möglich oder nicht effizient sind, lassen sich die entsprechenden Kontakte oft genug durch die Übertragung eines Videosignals ersetzen. Es ist zu erwarten, dass diese Möglichkeiten auch nach dem Ende der Pandemie weiter wesentlich intensiver als bisher genutzt werden. Viele Unternehmen hatten gerade durch die vorhandene Notwendigkeit auch die Chance, notwendige von überflüssigen Reisen unterscheiden zu lernen. Diese Unterscheidung wird auch in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen.

Noch größer sind die Umwälzungen im Bildungsbereich. Mit geschlossenen Schulen und anderen Einrichtungen hat sich Lernen per Video eingebürgert. Das persönliche Treffen von Schülern und Studenten ist nicht ganz verzichtbar. Es kann aber sinnvoll durch Aktivitäten online ergänzt werden. Jitsi empfiehlt sich schon durch seine freie Verfügbarkeit für diesen Zweck.

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